Projektart: Eigenprojekt Studie
Medizinisch-berufliche Rehabilitation und Nachsorge in regionaler Vernetzung - eine Pilotstudie

Beschreibung / Inhalte

Hintergrund und Fragestellung:

Die m&i-Fachklinik Herzogenaurach führt seit drei Jahren ein medizinisch-berufliches Rehabilitationsverfahren (MBR) durch, das sich von herkömmlichen MBR-Verfahren in einigen Punkten wesentlich unterscheidet:
  • Es wird ganztägig ambulant durchgeführt.
  • Es wird nicht vollständig in der Klinik durchgeführt, sondern in Kooperation mit dem Berufsförderungswerk Nürnberg als beruflichem Trainingsort.
  • Spätestens in der zweiten Hälfte des Verfahrens wird der berufliche Trainingsort an den realen Arbeitsplatz verlagert.



  • Ziel einer ersten explorativen Evaluation war es, die Ergebnisse der Maßnahme hinsichtlich des Erhalts der Erwerbstätigkeit, des seelischen Befindens und der verbleibenden Reserven zur Teilhabe am sozialen Leben zu evaluieren.

    Methodik:

    In einer ersten katamnestischen fragebogengestützten Untersuchung konnten die Angaben von 13 neurologischen Rehabilitanden, die das neue medizinisch-berufliche Rehabilitationsverfahren durchlaufen hatten, ausgewertet werden. Kostenträger war in 70 Prozent der Fälle die Deutsche Rentenversicherung, die übrigen Fälle wurden von der gesetzlichen oder privaten Unfallversicherung finanziert. Zwei Drittel waren Männer, der Altersschnitt lag bei 45 Jahren, die meisten waren zwischen 40 und 50 Jahren alt. Ein Viertel waren gewerbliche Arbeitnehmer, unter den übrigen (Angestellte) hatten die Hälfte akademische Berufe. Die Dauer der Maßnahme betrug im Schnitt 11 Wochen.

    Ergebnisse:

    Bei der Hälfte der Teilnehmer war vollschichtige Arbeitsfähigkeit nicht erreichbar, in diesen Fällen wurde der Arbeitsvertrag auf vier Stunden täglich angepasst (bei finanzieller Kompensation durch eine Teilrente). Mit einer Ausnahme, bei der das Arbeitsverhältnis vom Arbeitgeber trotz anders lautender Versprechen beendet wurde, sind alle Teilnehmer noch im selben Unternehmen mit der empfohlenen Wochenstundenzahl beschäftigt. Zwei wurden aus Umstrukturierungsgründen – nicht behinderungsbedingt – in andere Abteilungen versetzt, beide empfinden den neuen Arbeitsplatz allerdings als Verschlechterung. Alle kommen mit ihrer Arbeit zurecht, benötigen jedoch mehr Pausen. Hilfe von Kollegen müssen die meisten in Anspruch nehmen, in der Regel geht es aber eher um Bagatellen. Die Mehrheit gibt an, denselben Spaß an der Arbeit wie vor der Erkrankung zu haben. Eine Ausnahme bilden hier Teilnehmer, die einen beruflichen Abstieg hinnehmen mussten oder unter Schmerzen leiden.

    Das persönliche Befinden hat durch den Wiedereinstieg bei der Mehrzahl nicht gelitten oder hat sich sogar verbessert. Bei einem Schmerzpatienten aus dem gewerblichen Bereich ist das Befinden allerdings schlechter geworden.

    Soziale Kontakte haben tendenziell abgenommen, allerdings ist bei der Hälfte der Befragten auch das Interesse an Kontakten zurückgegangen. Dies könnte ein Hinweis auf geringere Ressourcen neben der Arbeit sein. Einflüsse der Behinderung auf die Stabilität der Partnerbeziehung werden eher nicht berichtet, die verstärkte Unterstützung der Familie ist allerdings bei der überwiegenden Mehrheit erforderlich.

    In der Bewertung der Maßnahme berichten fast alle, sie hätten sich gut verstanden und unterstützt gefühlt. Ein Teilnehmer hatte bei den Teambesprechungen gelegentlich Mühe, inhaltlich zu folgen. Die Einbindung des Arbeitgebers bewertete die überwiegende Mehrheit als nützlich, nur zwei über das Verhalten ihres Arbeitgebers verärgerte Teilnehmer konnten sich dem allerdings nicht anschließen.

    Fazit:

    Die Durchführung der integrierten MBR nach dem Herzogenauracher Modell erfolgt in der realen Lebenssituation des Rehabilitanden. Integrationsprobleme können so direkt therapeutisch bearbeitet werden. Die stufenweise Wiedereingliederung ist direkt in das kompakte Verfahren integriert und therapeutisch begleitet, so dass noch während der Wiedereingliederung die Arbeitsplatzanpassung optimiert werden kann. Dass sich diese Vorteile des neuen Verfahrens auch in einer erfolgreichen und stabilen beruflichen Reintegration niederschlagen, darauf deuten die Ergebnisse dieser ersten Untersuchung hin. Die Voraussetzung eines bestehenden Arbeitsverhältnisses, die Möglichkeiten und das tatsächliche Interesse des Arbeitgebers sowie der Einzugsbereich einer ganztägig ambulanten Rehabilitation setzten dem Modell allerdings Grenzen. Zumindest für andere Ballungsgebiete dürfte es dennoch grundsätzlich interessant sein.

    Projektbeschreibung von Projektverantwortlichen übernommen.

    Beginn:

    01.08.2008


    Abschluss:

    31.12.2010


    ICF-Bezug des Projekts:

    • Das Projekt hat keinen ausdrücklichen ICF-Bezug.

    Projektleitung:

    • Schupp, Wilfried, Dr. med. |
    • Kulke, Hartwig, Dr. rer. nat.

    Institutionen:

    m&i-Fachklinik HerzogenaurachIn der Reuth 191074 Herzogenaurach Telefon: 09132 83-1032 E-Mail: neurologie@fachklinik-herzogenaurach.de Homepage: https://www.fachklinik-herzogenaurach.de/
    Mitwirkende Institution: Berufsförderungswerk Nürnberg

    Kulke H, Schupp W: Integrierte medizinisch-berufliche Rehabilitation unter Einbindung des realen Arbeitsplatzes – Erste katamnestische Daten. 20. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium, 14.-16. März 2011 in Bochum; DRV-Schriften, Bd. 93: 218-219

    Medical-professional rehabilitation and aftercare in regional networking - a pilot study

    Background and research question: For the past three years, the m&i-Fachklinik Herzogenaurach has been conducting a medical-occupational rehabilitation (MBR) procedure that differs significantly from conventional MBR procedures in a number of respects: - It is conducted on a full-day outpatient basis. - It is not conducted entirely in the clinic, but in cooperation with the Vocational Training Centre in Nuremberg as the vocational training location. - The m&i-Fachklinik Herzogenaurach has been conducting the MBR procedure for the past three years At the latest in the second half of the procedure, the vocational training location is shifted to the real workplace. The aim of an initial explorative evaluation was to evaluate the results of the measure with regard to the maintenance of gainful employment, the mental state and the remaining reserves for participation in social life. Methodology: In an initial catamnestic questionnaire-based study, it was possible to evaluate the information provided by 13 neurological rehabilitation patients who had undergone the new medical-vocational rehabilitation procedure. The cost bearer in 70 percent of the cases was the German pension insurance, the remaining cases were financed by the statutory or private accident insurance. Two thirds were men, the average age was 45, and most were between 40 and 50 years old. A quarter were blue-collar workers, among the rest (white-collar workers) half had academic jobs. The duration of the measure was 11 weeks on average. Results: In half of the participants, fulltime work capacity was not achievable; in these cases, the work contract was adapted to four hours a day (with financial compensation in the form of a partial pension). With one exception, where the employment contract was terminated by the employer despite promises to the contrary, all participants are still employed in the same company with the recommended number of hours per week. Two were transferred to other departments for restructuring reasons - not disability-related - but both perceive the new workplace as a deterioration. All get along with their work, but need more breaks. Most of them need help from colleagues, but it is usually for trivial matters. The majority say they enjoy their work as much as before the illness. Exceptions are those who have had to accept a career change or are suffering from pain. The majority have not suffered or have even improved their personal well-being as a result of returning to work. However, the well-being of one pain patient from the commercial sector has worsened. Social contacts have tended to decrease, although interest in contacts has also declined in half of the respondents. This could be an indication of fewer resources besides work. Influences of the disability on the stability of the partner relationship tend not to be reported, but the increased support of the family is necessary for the vast majority. In the evaluation of the measure, almost all report that they felt well understood and supported. One participant occasionally struggled to follow content during team meetings. The vast majority rated the involvement of the employer as useful, although only two participants who were angry about their employer's behavior could not agree with this. Conclusion: The implementation of integrated MBR according to the Herzogenaurach model takes place in the real life situation of the rehabilitant. Integration problems can thus be dealt with directly by therapy. Gradual reintegration is directly integrated into the compact procedure and accompanied by therapy, so that job adjustment can be optimized even during reintegration. The results of this first study indicate that these advantages of the new procedure are also reflected in successful and stable job reintegration. However, the prerequisite of an existing employment relationship, the possibilities and the actual interest of the employer as well as the catchment area of a full-day outpatient rehabilitation set limits to the model. Nevertheless, it is likely to be interesting in principle, at least for other metropolitan areas.

    This text was automatically translated by DeepL.

    Referenznummer:

    R/FO125252


    Informationsstand: 21.04.2022