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Praxisbeispiel
Tischlerhelfer bei einer Firma für Möbel und Technik

Es gibt eine Abbildung zu diesem Praxisbeispiel:
Arbeitsplatz

Wo lag die Herausforderung?

Der Mann hat das Asperger-Syndrom und Schwierigkeiten im sozialen Umgang sowie der Kommunikation mit anderen Menschen und der Planung von Handlungsabläufen sowie kurzfristigen Änderungen bei etablierten Routinen. Nach seinem Realschulabschluss und einer Ausbildung zum Metallfeinarbeiter beim Berufsbildungswerk konnte er keinen Job finden.

Was wurde gemacht?

Er absolvierte eine sog. Innerbetriebliche Qualifizierung und wurde dabei von einem Jobcoach mit Hilfe eines betrieblichen Arbeitstrainings zum Tischlergehilfen qualifiziert. Der Jobcoach unterstützte ihn bei der Einarbeitung, Planung sowie Ausführung der alltäglichen Arbeitsschritte und dem Umgang mit wechselnden Arbeitsaufgaben zum Aufbau von Routinen. Auch das Unternehmen wurde zum Umgang mit dem neuen Mitarbeiter beraten. Schließlich wurde er vom Unternehmen fest eingestellt.

Schlagworte und weitere Informationen

Die Innerbetriebliche Qualifizierung wurde von der Arbeitsagentur gefördert. In dieser Zeit Stand der IFD und der Job Coach auch dem Unternehmen beratend zur Seite. Eine weiterführende Berufsbegleitung nach Abschluss des Arbeitsvertrages wird vom Inklusions- bzw. Integrationsamt gefördert.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Integrations- bzw. Inklusionsämter, Arbeitsagenturen, Integrationsfachdienste und von Jobcoaching-Anbietern.

Arbeitgeber:

Das Kleinunternehmen stellt Möbel, Konstruktionsteile, Fertigbauteile und Ausbauelemente aus Holz her.

Kommentar des Arbeitgebers:

Dem Arbeitgeber fiel zwar auf, dass der Mann sich zu Beginn der Beschäftigung mit Arbeitsabläufen schwer tat, inzwischen habe er sich aber zu einem zuverlässigen Mitarbeiter entwickelt. Die genaue Arbeitsweise erweise sich dabei auf Dauer als Vorteil. Der Mitarbeiter und das Team könnten stolz auf die gemeinsame Leistung gelungener Inklusion sein.

Behinderung und Funktionseinschränkung des Mitarbeiters:

Der Mann hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Er hat Einschränkungen mit anderen Menschen sozial (z. B. Verstehen sozialer Regeln, Einzelgängertum, Vermeidung von Körperkontakt, wenig Blickkontakt und schwach entwickeltes Einfühlungsvermögen) sowie kommunikativ (z. B. besondere Anstrengung beim Verstehen nonverbaler Signale, von Smalltalk und uneindeutiger bzw. nicht-wörtlicher Aussagen) zu interagieren. Das Planen fällt ihm schwer und Veränderungen in bekannten Abläufen sowie neue Situationen wirken sehr beunruhigend auf ihn. Bestimmte Eigenschaften von Menschen mit Asperger-Syndrom sind in der Arbeitswelt von Vorteil, z. B. ihr Pflichtbewusstsein, ihre Verlässlichkeit und der besondere Genauigkeitsanspruch. Dabei gehen die eigenen Ansprüche, in Bezug auf die Qualität, oft über die für die Tätigkeit geforderte hinaus.

Ausbildung und Beruf:

Der Mann machte nach seinem Realschulabschluss zwei Berufsvorbereitungen und anschließend eine Ausbildung zum Metallfeinarbeiter in einem Berufsbildungswerk (BBW). Dennoch gelang es ihm danach auch mit Unterstützung des Integrationsfachdienstes (IFD) nicht eine Anstellung zu finden.
Da er nicht in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) arbeiten wollte, riet ihm das Reha-Team der Arbeitsagentur und der IFD zu einer sog. Innerbetriebliche Qualifizierung (InBeQ). Über die konnte er beim Unternehmen platziert und zum Tischlerhelfer qualifiziert werden. Im Anschluss daran wurde er vom Unternehmen fest eingestellt. Einen großen Anteil dazu trug er selbst durch seine engagierte Mitwirkung bei.

Arbeitsplatz und Arbeitsorganisation:

Die Innerbetriebliche Qualifizierung erfolgte im Rahmen der Unterstützter Beschäftigung (UB) durch einen Job Coach eines betrieblichen Inklusionsdienstes. Zunächst wurden seine beruflichen Fähigkeiten sowie Neigungen und mögliche Beschäftigungsbereiche im Unternehmen ermittelt. Die eigentliche Qualifizierung erfolgte dann mit Hilfe des Job Coaches durch ein betriebliches Arbeitstraining im Unternehmen. So wurde der Tischlerhelfer beispielsweise bei der Einarbeitung und der Entwicklung sowie Anwendung von Handlungsstrategien unterstützt, um den Herausforderungen gerecht zu werden und Überforderung zu vermeiden. Schließlich konnte er durch das gut organisierte Arbeiten im sowie die Unterstützung durch das Team, die sich wiederholenden Arbeitsschritte an den taktgebenden Maschinen (z. B. die Fräsanlage) und die entstehenden Erfahrungen bzw. Routinen sicherer sowie schneller bei der Arbeitsausführung werden.
Ein wichtiger Lernerfolg für den Tischlerhelfer war es sich von den unangemessenen, sehr hohen und selbst gesetzten Qualitätsstandards zu trennen, die in diesem Maß für die Fertigung nicht erforderlich und auch für das Unternehmen nicht wirtschaftlich sind.
Seit der Festanstellung kann er sogar gut mit veränderten Arbeitszeiten und gelegentlicher Arbeit am Wochenende umgehen.

Kommentar des Mitarbeiters:

Er mag die getaktete Arbeit an der Maschine und seine Kollegen. Er fühlt sich gut aufgenommen und die Routine sowie die sich wiederholenden Arbeitsschritte geben ihm Sicherheit.

Arbeitsumgebung - Mobilität:

Die unmittelbare Nähe des Arbeitsplatzes zum Wohnort des Mitarbeiters ist von großer Bedeutung für ihn, da er sich nur schwer neue Orte außerhalb seiner Heimatstadt erschließen kann.

ICF-Items

Assessments - Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Kontaktfähigkeit
  • IMBA - Kritikfähigkeit
  • IMBA - Kritisierbarkeit
  • IMBA - Misserfolgstoleranz
  • IMBA - Ordnungsbereitschaft
  • IMBA - Selbständigkeit
  • IMBA - Teamarbeit
  • IMBA - Umstellung
  • MELBA - Kontaktfähigkeit
  • MELBA - Kritikfähigkeit
  • MELBA - Kritisierbarkeit
  • MELBA - Misserfolgstoleranz
  • MELBA - Ordnungsbereitschaft
  • MELBA - Selbständigkeit
  • MELBA - Teamarbeit
  • MELBA - Umstellung

Referenznummer:

PB/111027


Informationsstand: 10.04.2019