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Forschungsprojekt
Projektart: Gefördertes Projekt Studie Modellprojekt
Büropraktiker*in für Leichte Sprache – modellhafte Evaluation eines neu entstehenden Berufsbildes und Entwicklung von Qualitätskriterien für ihren Einsatz.

Beschreibung / Inhalte

Ausgangslage und Ziele

„Leichte Sprache“ stellt eine Varietät der deutschen Standardsprache dar und wurde intuitiv in der Praxis entwickelt. Es wird als Form barrierefreier Kommunikation angesehen und soll insbesondere Menschen mit Lernschwierigkeiten das Verständnis von gesprochener und geschriebener Sprache erleichtern. Leichte Sprache bedient sich dabei verschiedener Regeln bzw. Regelwerke. Dazu zählen unter anderem die Verwendung von Beispielen und kurzen Sätzen, die Vermeidung von Fremd- und Fachwörtern sowie die Bebilderung von Texten. Derzeit befindet sich das Konzept in einem Normierungsverfahren nach DIN.

Im Zuge der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sowie der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV 2.0) sind Behörden und Ämter dazu verpflichtet, schriftliche Informationen wie z.B. auf Internetseiten zusätzlich auch in Leichter Sprache anzubieten. Folglich entwickelte sich das gesamte Anwendungsfeld in den letzten Jahren relativ rasch und es ist ein stärker kommerzialisierter Markt von unterschiedlichen Anbieter*innen mit uneinheitlichen Qualitätskriterien zu beobachten.

Texte in Leichter Sprache werden üblicherweise auf Grundlage von eingereichten Texten in Schwerer Sprache bzw. Alltagssprache durch sogenannte Übersetzer*innen in Büros für Leichte Sprache verfasst. Im Anschluss werden diese Texte gemäß dem Netzwerk für Leichte Sprache durch mindestens zwei Prüfer*innen mit Lernschwierigkeiten auf Verständlichkeit überprüft. Die Prüfenden sind in den meisten Fällen jedoch nicht direkt in den Büros für Leichte Sprache beschäftigt, sondern in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) und verwenden häufig im Rahmen dessen einen Teil ihrer Arbeitszeit für das Prüfen von Texten. Aus diesem Grund wird die Arbeit der Prüfenden bisher nur geringfügig entlohnt und erfährt wenig berufliche Anerkennung. Um die berufliche Teilhabesituation von Menschen mit Lernschwierigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erhöhen, hat die CAB Caritas Augsburg eine Qualifizierungsmaßnahme zum Büropraktiker*in für Leichte Sprache im Rahmen eines Pilotprojektes entwickelt. In dieser 12-monatigen Qualifizierungsmaßnahme wurden Inhalte 1) zum Büromanagement und 2) zur Leichte Sprache vermittelt sowie im Rahmen von überwiegend ausgelagerten Außenarbeitsplätzen wie z. B. in Ämtern und Behörden erprobt – d. h.auch außerhalb der Büros für Leichte Sprache.

Grundsätzlich sollen durch das Projekt „Büropraktiker*in für Leichte Sprache – modellhafte Evaluation eines neu entstehenden Berufsbildes und Entwicklung von Qualitätskriterien für ihren Einsatz“ zum einen die Tätigkeiten und Entwicklungen der Büros für Leichte Sprache und insbesondere die dort angebotenen Arbeitsplätze für Menschen mit Lernschwierigkeiten näher untersucht werden und zum anderen die neu entstandene Qualifizierungsmaßnahme „Büropraktiker*in für Leichte Sprache“ der CAB Caritas Augsburg evaluiert werden.

Das Projekt führt dafür die hier beschriebenen Maßnahmen durch:

 

· Bundesweite Bestandsaufnahme der Büros für Leichte Sprache

Hierzu fanden quantitative und qualitative Befragungen der Leitungskräfte der Büros für Leichte Sprache deutschlandweit statt. An der quantitativen Onlinebefragung nahmen insgesamt 65 Leitungskräfte aus verschiedenen Büros teil. Für die qualitative Erhebung wurden 15 telefonische Interviews mit Expert*innen aus fast jedem Bundesland geführt. Die quantitativen sowie qualitativen Befragungen der Leitungskräfte der Büros für Leiche Sprache sollen einen wichtigen Beitrag zum Verständnis folgender Aspekte leisten:
– Aufgabenbereiche der Leitungspersonen in den Büros
– Aufträge (d. h. die Art der zu übersetzenden Texte)
– Auftragslage
– Auftraggeber*innen
– Entstehungsprozess von Texten in Leichter Sprache
– Einbezug von Menschen mit Lernschwierigkeiten
– Qualifizierung von Prüfenden
– Entwicklung der Büros für Leichte Sprache
– Hürden und Probleme in den Büros
– Normierung der Leichten Sprache
 

· Evaluation der Qualifizierungsmaßnahme „Büropraktiker*in für Leichte Sprache“

Die Qualifizierungsmaßnahme der CAB Caritas Augsburg wurde mit Hilfe von leitfadengestützten Interviews evaluiert. Dazu wurden neun Teilnehmende, neun Vorgesetzte oder Mentor*innen sowie sieben Angehörige befragt, um so die subjektive Sichtweise aller Beteiligten auf die Qualifizierungsmaßnahme zu erfassen. Dabei standen u. a. die subjektive Arbeitszufriedenheit und die Lernerfolge der Teilnehmenden, aber auch die Begleitung aller Beteiligten bei der Umsetzung der Qualifizierung sowie wahrgenommene Chancen und Grenzen bei der Etablierung des/der Büropraktiker*in für Leichte Sprache auf dem ersten Arbeitsmarkt im Vordergrund. Daneben wurden auch positive und negative Aspekte der Qualifizierungsmaßnahme sowie Verbesserungsvorschläge zur Weiterentwicklung des Fortbildungskonzeptes aus Sicht aller drei Personengruppen erhoben.
 

· Entwicklung von Qualitätskriterien und Handlungsempfehlungen

Auf Grundlage der Studienergebnisse wurden Qualitätsstandards für die Arbeit der Büros für Leichte Sprache sowie Handlungsempfehlungen für die Weiterentwicklung der innovativen Qualifizierungsmaßnahme „Büropraktiker*in für Leichte Sprache“ abgeleitet.

Projektdaten

Beginn:

01.04.2020


Abschluss:

31.07.2022


Kostenträger:

  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Förderung aus dem Ausgleichsfonds nach § 41 SchwbAV

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt

Projektleitung:

  • Lindmeier, Bettina, Prof. Dr.

Mitarbeitende:

  • Schrader, Sandra | 
  • Alberts, Miriam

Institutionen:

Institut für Sonderpädagogik der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Körperschaft des öffentlichen Rechts
Schloßwender Str. 1
30159 Hannover
Telefon: 0049 511 762 17377 E-Mail: sekretariat@ifs.uni-hannover.de
Homepage: https://www.ifs.uni-hannover.de

Schrader, S; Lindmeier, B; Meyer, D. & Alberts, M. (2021): Büros für Leichte Sprache. Eine bundesweite Studie zur Bestandsaufnahme der Tätigkeiten und Entwicklungstendenzen. In: Teilhabe 2/2021, S. 50–56.

Schrader, S.(2021): Büropraktiker*in für Leichte Sprache. In: Teilhabe 2/2021, S. 86–87.

Link zum Heft: http://shop-digitales.lebenshilfe.de/shop/shop-digitales/epaper/TH2021-2.php

Schrader, S., Alberts, M. & Lindmeier, B. (2022, i. E.): „Ich werde da auch wie ein normaler Mitarbeiter behandelt und nicht wie ein Beschäftigter in der Werkstatt.” – Arbeitszufriedenheit von Menschen mit Lernschwierigkeiten im Rahmen des Projekts „Büropraktiker*in für Leichte Sprache“. In: Berufsbildung 2/2022. Heft 194.

Schrader, S., Meyer. D. & Lindmeier, B. (2022, i. E.): Leichte Sprache zwischen Identifikation und Abgrenzung – eine empirische Untersuchung der Perspektive von Büropraktiker*innen für Leichte Sprache. Erscheint im Tagungsband der DGfE-Sektionstagung Sonderpädagogik 2021.

Referenznummer:

R/FO126055


Informationsstand: 03.05.2022