Praxisbeispiel
Betriebliches Eingliederungsmanagement bei einem kleinen Chemie-Unternehmen

Wo lag die Herausforderung?

Das Kleinunternehmen wollte das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) einführen und benötigte dazu von externer Seite Hilfe.

Was wurde gemacht?

Der Geschäftsführer nahm Kontakt zu einem dienstleistenden Unternehmen im Bereich des Betrieblichen Eingliederungsmanagements auf. Dieses informierte zunächst alle im Rahmen der BEM-Einführung und holte die Erlaubnis zur elektronischen Verarbeitung der persönlichen Daten, inklusive der Arbeitsausfallzeiten, von den Beschäftigten ein. Danach wurden der Prozess, der Ablauf und die Maßnahmen ausgearbeitet und die Infos dazu in einem Ordner nach der systematischen Vorgehensweise abgeheftet, der dann bei Bedarf als Grundlage für das BEM dient. Außerdem wurde die Arbeitsplätze analysiert und Maßnahmen zur Arbeitsgestaltung durch den Einsatz von Hilfsmitteln umgesetzt.

Die Rehabilitationsträger (zum Beispiel Rentenversicherungsträger und Berufsgenossenschaften) und die Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter können Unternehmen, die ein Betriebliches Eingliederungsmanagement einführen, durch Prämien oder einen Bonus fördern. Das Unternehmen erhielt deshalb vor einigen Jahren für die Einführung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements vom zuständigen Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt eine Prämie von 10.000 Euro.
Das aufgeführte Beispiel wurde von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) mit einem Reha-Preis zur Einführung beziehungsweise zum Einsatz eines Betrieblichen Eingliederungsmanagements ausgezeichnet.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter und der Berufsgenossenschaften.

Unternehmen:

Das kleine Chemie-Unternehmen beschäftigt 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es hat sich im Bereich des Bausektors spezialisiert und stellt unter anderem Produkte zum Fußbodenaufbau her, wie zum Beispiel Folien als Trennschicht für den Estrich und Dämmungen zur Schall- sowie Wärmeisolierung.
Die Gesundheit der Beschäftigten ist für das Unternehmen sehr wichtig, denn gerade in Kleinunternehmen sind die Arbeitsplätze beziehungsweise Positionen nicht doppelt besetzt. Die individuelle Kenntnis der Details zu betrieblichen Abläufen, Kundschaft, Rezepturen und zur Maschinentechnik macht jeden der Beschäftigten unentbehrlich.
Ziel des Unternehmens beziehungsweise des Geschäftsführers ist es deshalb auch, dass die Gesundheit der Beschäftigten dauerhaft erhalten bleibt. Aus diesem Grund entschloss sich der Geschäftsführer, das gesetzlich vorgeschriebene Betriebliche Eingliederungsmanagement einzuführen und konsequent anzubieten.

Behinderte und erkrankte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:
  • eine Person ist schwerbehindert
  • eine Person hatte einen Herzinfarkt und nahm anschließend an einer Umschulung in einem Berufsförderungswerk teil
  • eine Person hatte vor einigen Jahren einen Privatunfall mit Hirnverletzung
  • eine Person hat eine Armbehinderung

Betriebliches Eingliederungsmanagement:

Zur Entwicklung und Einführung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements wurde ein externes dienstleistendes Unternehmen hinzugezogen. Die Mitarbeiterinnen beziehungsweise Mitarbeiter des Chemieunternehmens wurden über die Einführung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements informiert und die Erlaubnis zur elektronischen Verarbeitung der persönlichen Daten, inklusive der Arbeitsausfallzeiten von den Beschäftigten, eingeholt. Das Chemieunternehmen beziehungsweise der Geschäftsführer hatte bereits vorher die Beratung des externen dienstleistenden Unternehmens in Anspruch genommen, um eine geeignete Lösung zur Reduzierung der Krankenlage der ältesten Beschäftigten zu finden. Außerdem wurden die zuständigen Kontaktpersonen der Berufsgenossenschaft, des Integrations- beziehungsweise Inklusionsamtes / Integrationsfachdienstes, der Rentenversicherung, der Arbeitsmedizin / Betriebsärztin oder Betriebsarzt und der Krankenkassen zur Einführung des Betrieblichen Eingliederungsmanagements hinzugezogen.
Um das zukünftig strukturierte Vorgehen bei Erkrankungen von Beschäftigten zu fixieren, wurde ein Ordner zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement angelegt, in dem alle Kontaktpersonen mit Adresse und Telefonnummer aufgeführt sind. Das Vorgehen bei einer Erkrankung mit mehr als 42 arbeitsunfähigen Tagen innerhalb von 365 Tagen wurde festgelegt und im entsprechenden Ordner abgelegt. Der Ordner wurde allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorgestellt. Somit ist auch bei Abwesenheit des Geschäftsführers gewährleistet, dass alle notwendigen Schritte eingeleitet werden. Die Informationen zur Möglichkeit der stufenweisen Wiedereingliederung wurden vom dienstleistenden Unternehmen zusammengestellt und ebenfalls im Ordner abgelegt. Nach der Beobachtung der einzelnen Tätigkeiten in der Produktion durch das dienstleistende Unternehmen, wurden verschiedene Lösungen erdacht, mit einfachen Mitteln umgesetzt und eingeführt. Diese erleichtern die Tätigkeiten und beugen langfristig Erkrankungen und Behinderungen vor.
Beispiele:
  • Kanister wurden bisher nach Abfüllung aus der Maschine nach unten auf einer Palette auf dem Boden abgestellt. Die Kanister werden nun auf derselben Höhe hinübergezogen auf einen erhöhten Stapel von Paletten.
  • Zur Erhöhung der Sicherheit wurden die Verkehrswege im Betrieb gemeinsam mit den Beschäftigten durch gelbe Markierungen gekennzeichnet.
  • Für Hebe- und Transportarbeiten werden Hilfsmittel (Gabelstapler) eingesetzt.

Eingesetzte Hilfsmittel – Anzeigen der Produkte:

kraftbetriebene Industriefahrzeuge zum Anheben und Transportieren von Material (Gabelstapler)

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ELA - Heben
  • ELA - Tragen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

R/PB5326


Informationsstand: 31.07.2025