Praxisbeispiel
Arbeitsgestaltung für einen Produktionshelfer mit implantiertem Defibrillator

Wo lag die Herausforderung?

Der Produktionshelfer arbeitet in einer großen Halle. Aufgrund seiner Herzerkrankung und der Versorgung mit einem implantierten Defibrillator sollte er nicht für den manuellen Materialtransport eingesetzt und auch keinen starken Magnetfeldern ausgesetzt werden. Zur Vermeidung des manuellen Materialtransports nutzt er bereits den in der Halle vorhandenen Kran und Rollenbahnen.
Nur der in einer Gefährdungsbeurteilung ermittelte einzuhaltende Abstand zu Werkzeugen, Maschinen und Geräten mit einem starken Magnetfeld kann von ihm nicht eingeschätzt werden. Er benötigt deshalb ein Hilfsmittel, das ihn dabei unterstützt und warnt.

Was wurde gemacht?

Zur Einhaltung des Sicherheitsabstandes zu Werkzeugen, Maschinen und Geräten mit einem starken Magnetfeld wurde ihm ein Warngerät zur Verfügung gestellt. Er kann das Warngerät in oder an seiner Arbeitskleidung tragen. Nähert er sich einem kritischen Bereich mit einem für ihn zu hohen Magnetfeld, gibt das Gerät ein akustisches und optisches Signal ab.

Die behinderungs- und sicherheitsgerechte Gestaltung wurde vom Integrations- bzw. Inklusionsamt gefördert. Die Beratung zum erforderlichen Hilfsmittel erfolgte durch den Technischen Beratungsdienst des Integrations- bzw. Inklusionsamtes.
Die Ermittlung der Gefahren in Bezug auf die vorhandenen Magnetfeldstärken und einzuhaltenden Abstände erfolgten durch die Berufsgenossenschaft.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter und der Berufsgenossenschaft.

Unternehmen:

Das mittelständische Unternehmen ist auf dem Gebiet des Sonderstahlbaus tätig. Mit seinen 158 Beschäftigten stellt es überwiegend Stahlbauteile für Brücken nach Auftrag her.

Behinderung und Beeinträchtigung des Mitarbeiters:

Der Mitarbeiter hat eine Herz-Kreislauferkrankung. Nach einem Herzinfarkt mit Herzstillstand wurde ihm ein kleiner Defibrillator implantiert. Behinderungsbeding sollte er keine Lasten manuell heben und tragen. Aufgrund seines Herzschrittmachers darf er bei der Ausübung seiner Tätigkeit zudem nicht in die Nähe stärkerer Magnetfelder kommen, da diese die Funktion des Defibrillators stören können. Sein Grad der Behinderung (GdB) beträgt 50.

Ausbildung und Beruf:

Der Mitarbeiter ist beim Unternehmen in Vollzeit als Produktionshelfer tätig.

Arbeitsschutz:

Zur Vermeidung von Gefahren für den Mitarbeiter wurde im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft das Gefährdungspotenzial in der Produktion am Arbeitsplatz und in der Arbeitsumgebung ermittelt. Demnach liegt der Abstandsbereich in Abhängigkeit zu eingesetzten oder passierenden Werkzeugen, Maschinen und Anlagen mit stärkeren Magnetfeldern, wie beispielsweise Magnetheber und in Rollenbahnen eingebaute Haltemagnete, zwischen mindestens einzuhaltenden 20 und 100 Zentimetern.

Arbeitsplatz und Arbeitsumgebung:

Der Produktionshelfer wird in einer großen Werkshalle im Bereich des Wareneingangs und Materialzuschnitts eingesetzt. Im Wareneingang transportiert er das per Lkw ankommende Material, überwiegend unterschiedlich starke und sehr große Bleche, mit einem Kran und einem leistungsstarken Elektro-Magnetheber zum jeweiligen Ablageplatz. Dabei begleitet er den Kran mit Magnetheber gehend in sich situationsbedingt ändernden Abständen, um das Material zu transportieren, auszurichten und abzuladen. Die Bedienung des Krans erfolgt dabei über einen Hängetaster.
Im Bereich des Materialzuschnitts bedient er eine Anlage, wo die großen Bleche auf eine Rollenbahn geschoben und am Rand entgratet werden. Damit die Bleche beim Entgraten nicht verrutschen, sind alle 100 Zentimeter Magnete in der Rollenbahn verbaut, die die Bleche fixieren. Um den Entgratungsprozess visuell zu verfolgen und die Qualität sicherzustellen, läuft der Produktionshelfer an der Anlage entlang und beugt sich mehrfach über die Bleche.
Auch auf dem Weg zum Wareneingang und dem Materialzuschnitt kommt er in der großen Werkshalle an Maschinen oder Geräten wie Schweißgeräten und Magnetspanner der Schleifmaschinen mit starken elektrisch erzeugten Magnetfeldern vorbei.
Um den Sicherheitsabstand zu den Magnetfeldern einzuhalten, den der Produktionshelfer nicht immer genau einschätzen und in jeder Situation berücksichtigen kann, erhielt er ein Warngerät für elektromagnetische Strahlungen. Er kann das Warngerät in oder an seiner Arbeitskleidung tragen. Bei Annäherung an einen kritischen Bereich mit für ihn zu hohem elektromagnetischem Feld gibt das Gerät ein akustisches und optisches Signal ab. Die Warnung erfolgt, bevor die kritische Magnetfeldstärke erreicht ist, durch die eine Störung oder Fehlfunktion des Defibrillators auftreten kann. So kann der Produktionshelfer rechtzeitig die Gefahrenzone verlassen und seine Tätigkeit fortsetzen.

Eingesetzte Hilfsmittel – Anzeigen der Produkte:

Förderer (Rollenbahnen)
Kräne, Flaschenzüge und Lastaufnahmemittel (Deckenlaufkräne)
Signaleinrichtungen

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ELA - Heben
  • ELA - Tragen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitssicherheit
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Heben
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Tragen

Referenznummer:

Pb/111328


Informationsstand: 01.12.2025