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Dokumentart(en): Zeitschriftenbeitrag Forschungsergebnis Online-Publikation
Titel der Veröffentlichung: Problemfelder lernbehinderter junger Erwachsener an der Schnittstelle Schule-Beruf

Erfahrungen aus dem Merseburger Teilprojekt der EP Talente - dargestellt an drei Praxisbeispielen - Teil 1

Bibliographische Angaben

Autor/in:

Ditzinger, Heike

Herausgeber/in:

Bundesarbeitsgemeinschaft für Unterstützte Beschäftigung e.V. (BAG UB)

Quelle:

impulse, 2007, Nummer 44 (Ausgabe 4), Seite 26-29, Hamburg: Eigenverlag, ISSN: 1434-2715

Jahr:

2007

Der Text ist von:
Ditzinger, Heike

Der Text steht in der Zeitschrift:
impulse, Nummer 44 (Ausgabe 4), Seite 26-29

Den Text gibt es seit:
2007

Ganzen Text lesen (in: Impulse 04.2007) (PDF | 1,8 MB)

Inhaltliche Angaben

Beschreibung:

Das steht in dem Text:

Am Beispiel dreier Fälle werden typische Problemfelder arbeitsloser, (lern-)behinderter junger Erwachsener dargestellt. Dabei steht jeder der Fälle stellvertretend für ein Problemfeld. Es wird aufgezeigt, wie die je individuellen Problemlagen der Betroffenen bearbeitet, und wie potenzielle Integrationsmöglichkeiten und Zukunftsperspektiven erkundet wurden.

In dieser Ausgabe wird das Beispiel von Herrn K. dargestellt, in den zwei folgenden Ausgaben je ein weiteres Beispiel.

Berufliche Integration auf Umwegen - das Beispiel von Herrn K.

Herr K. wohnt bei seinen Eltern, die ihn nach ihren Möglichkeiten unterstützen und ihm ein strukturiertes Familienleben bieten. Nach der achten Klasse verlässt er die Schule mit Abschlusszeugnis und tritt einen Förderlehrgang (F2) in einem Berufsbildungswerk an. Der psychologische Dienst der Agentur für Arbeit attestiert ihm, dass er keine Ausbildungsreife besitzt. Daraufhin nimmt Herr K. am Talente Projekt teil und wird über die Dauer von weiteren sechs Monaten gefördert.

Nach einem ersten Gespräch ist schnell eine Wunschtätigkeit in der Baubranche gefunden und Herrn K. kann eine Praktikumsstelle in einem kleinen Baustoffhandel vermittelt werden. Anfängliche Schwierigkeiten konnten schnell überwunden werden, und Herr K. machte große Fortschritte im praktischen sowie im theoretischen Bereich. Sein Praktikumsbetrieb war nach Ablauf von fünf Monaten bereit, ihm eine Ausbildung zum Fachlageristen zu ermöglichen unter den Voraussetzungen der finanziellen Unterstützung durch die Agentur für Arbeit und der Integration in Ausbildungsbegleitende Hilfen.

Die Arbeitsagentur lehnte die Förderung, trotz Bemühen der Projektmitarbeiter, die die besonders guten Bedingungen des Praktikumsbetriebes und Fortschritte von Herrn K. hervorhoben, ab. Sie begründete ihre Entscheidung mit der Finanzierung des vorausgegangenen Förderlehrgangs und einer erneuten Überprüfung der Ausbildungsfähigkeit, die Herrn K. immer noch eine fehlende Ausbildungsfähigkeit attestierte.

Nach dieser Ablehnung sprachen Mitarbeiter des Projektes beim Abteilungsleiter der Arbeitsagentur vor und erwirkten eine neuerliche Prüfung der Ausbildungsreife. Nun wurde Herr K. als teilausbildungsfähig eingestuft. Das bedeutete, dass eine betriebliche Teilausbildung gefördert würde, nicht aber eine Vollausbildung, wie die zum Fachlageristen. Eine mögliche überbetriebliche Teilausbildung, zum Beispiel zum Lagerhelfer wurde im Kammerbezirk nicht geprüft. Darüber hinaus weigerte sich die Agentur für Arbeit diese Teilausbildung zu finanzieren, da Herr K. schon durch einen Förderlehrgang unterstützt worden war. Zu diesem Zeitpunkt sind die sechs Monate im Talente Projekt um und Herr K. kann nicht mehr weiter gefördert werden.

Bei der Suche nach Alternativen stießen die Projektmitarbeiter auf die Möglichkeit durch einen Hauptschulabschluss die volle Ausbildungsfähigkeit zu erhalten. Herr K. stellte sich der Herausforderung und ging zwei- bis dreimal die Woche zum Zusatzunterricht. Er scheiterte am Mathematikteil der Prüfungen und die Suche nach weiteren Möglichkeiten begann erneut. Nur durch die Beharrlichkeit und den unermüdlichen Einsatz der Eltern, konnte die Agentur für Arbeit davon überzeugt werden, Herrn K. eine Teilausbildung zum Holzbearbeiter zu vermitteln und zu finanzieren.

Zusammenfassend kann man sagen, dass berufliche Perspektiven für Menschen mit Behinderungen stark von der Zusammenarbeit von allen Beteiligten abhängen und von ihnen oft sehr viel Beharrlichkeit und Koordination gefordert wird. Herr K. überzeugte durch hohes Durchhaltevermögen, Interesse und Zuverlässigkeit. Seine Eltern waren immer sehr interessiert an der Entwicklung ihres Sohnes und setzten alle Hebel in Bewegung in jeder Phase des Projekts.

Die Projektmitarbeiter informierten die Eltern über ihre Möglichkeiten, lieferten Argumente für die Ausbildungsfähigkeit durch Aufzeigen der Entwicklung von Herrn K. und zeigten Perspektiven auf. Die Arbeitsagentur war dagegen der schwierigste Beteiligte, denn er erkannte die Entwicklungsprozesse von Herrn K. nicht und passte den Förderzeitraum nicht an individuelle Ansprüche an. Die Einschätzung von psychologischen Gutachten ist immer noch als problematisch zu sehen.

Wo bekommen Sie den Text?

impulse - Fachmagazin
https://www.bag-ub.de/seite/486394/impulse-fachmagazin.html

Weitere Informationen zur Veröffentlichung

impulse - Fachmagazin
https://www.bag-ub.de/seite/486394/impulse-fachmagazin.html

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.

Referenznummer:

R/ZS0141/6633A

Informationsstand: 02.02.2021