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Praxisbeispiel
Inklusionsabteilung bei ThyssenKrupp MillServices & Systems GmbH

Wo lag die Herausforderung?

Im Unternehmen arbeiten Menschen mit Schwerbehinderung, die nicht mehr an ihren alten Arbeitsplätzen eingesetzt werden können. Außerdem wurden weitere Personen mit einer Schwerbehinderung zur Neueinstellung für den Bereich interne Serviceleistung gesucht. Beide Personengruppen sollten dann im Bereich interne Serviceleistungen eingesetzt und dieser Bereich dazu ausgebaut werden. Es handelt sich dabei um Beschäftigte mit Körperbehinderungen, Sinnesbehinderungen oder psychischen Erkrankungen.

Was wurde gemacht?

Es wurden Inklusionsabteilungen gegründet, in denen Beschäftigte mit Schwerbehinderung aus anderen Bereichen des Unternehmens und neu vorher arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung eingestellt wurden. Die Qualifizierung der Beschäftigten für die jeweilige Inklusionsabteilung erfolgte durch interne sowie externe Trainings- und Ausbildungsmaßnahmen – dazu gehörte auch der Erwerb des Lkw-Führerscheins und Flurförderscheins nach den Vorschriften der Berufsgenossenschaft. Außerdem werden Hilfsmittel zum Transport, wie u. a. Kleintransporter, eingesetzt.

Die Gründung der beiden Inklusionsabteilungen und der Einsatz von gebärdensprachdolmetschenden Personen wurden vom Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt gefördert. Das Unternehmen erhält außerdem vom Integrations- beziehungsweise Inklusionsamt einen Beschäftigungssicherungszuschuss und eine Betreuungsaufwandsentschädigung für die personelle Unterstützung zur Kompensation der außergewöhnlichen Belastungen.
Das Unternehmen erhielt vom jeweiligen Kostenträger (Jobcenter und Rentenversicherung) zusätzlich Eingliederungszuschüsse als Hilfe zur Inklusion der vorher über einen längeren Zeitraum arbeitslosen Beschäftigten mit Schwerbehinderung. Das Jobcenter förderte zusätzlich den Erwerb des Lkw-Führerscheins und Flurförderscheins.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Telefon-Nummern der Integrations- beziehungsweise Inklusionsämter, der Jobcenter, der Rentenversicherung und auch von gebärdensprachdolmetschenden Personen.

Unternehmen:

ThyssenKrupp MillServices & Systems beschäftigt in Deutschland ca. 1.700 Personen und ist ein technisches Dienstleistungsunternehmen mit besonderem Know-how in der Metall erzeugenden sowie verarbeitenden Industrie, aber auch in anderen Branchen mit komplexen Produktionsprozessen. Neben Transportlogistik, Instandhaltung und Verpackung bietet das Unternehmen auch u. a. ein Schlackenmanagement an.
Zur Beschäftigung von Menschen mit einer Schwerbehinderung wurde vor einigen Jahren an zwei Standorten in Duisburg eine Inklusionsabteilung gegründet.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Beschäftigten in den Inklusionsabteilungen:

Die Beschäftigten sind körperbehindert, psychisch erkrankt oder sinnesbehindert. Bei denen mit einer körperlichen Behinderung ist überwiegend der Stütz- und Bewegungsapparat betroffen, wodurch langanhaltende, physisch stark belastende Tätigkeiten (z. B. das Tragen und Heben von Lasten) vermieden werden sollten. Die Beschäftigten mit einer psychischen Erkrankung sind, z. B. in Bezug auf Zeit-/Leistungsdruck und sich schnell ändernden Arbeitsabläufen, nur sehr eingeschränkt psychisch belastbar. Sie sollten daher für klar strukturierte Tätigkeiten eingesetzt werden, bei denen es nur geringfügige Abweichungen im Ablauf gibt und die zeitlich nicht an einem Maschinentakt gebunden sind. Zu den Beschäftigten mit einer Sinnesbehinderung gehören gehörlose Personen, die akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, nicht wahrnehmen können. Eine verbale Kommunikation mit ihnen ist daher nur über Gebärdensprachdolmetschende oder das Lippenablesen möglich. Zum Lippenablesen müssen die Lippen dabei gut zu sehen sein und es muss deutlich sowie langsam gesprochen werden.

Ausbildung und Beruf:

Die Beschäftigten sind Hilfskräfte oder Facharbeiter und wurden vom Unternehmen für die Inklusionsabteilungen eingestellt oder aus anderen Bereichen des ThyssenKrupp-Konzerns mit ihrer Zustimmung versetzt. Die Qualifizierung der Beschäftigten für die jeweilige Inklusionsabteilung erfolgte durch interne sowie externe Trainings- und Ausbildungsmaßnahmen. An einem Standort beispielsweise erwarben einige Beschäftigte, im Rahmen ihrer Fahrschulausbildung, den erforderlichen bzw. vom für den Auftrag der Serviceleistung benötigten Lkw-Führerschein zum Fahren der Kehrmaschinen und den Flurförderschein nach den Vorschriften der Berufsgenossenschaft, um die Kehrwagen betriebsintern zum Waschplatz und zurück zu transportieren.
Während der Trainingsmaßnahmen wurden die Inhalte für die gehörlosen Beschäftigten von zwei gebärdensprachdolmetschenden Personen übersetzt.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

In der einen Inklusionsabteilung sind die Beschäftigten für die Reinigung der Werksstraßen mit Kehrmaschinen und die Reinigung der Kehrmaschinen an einem Waschplatz zuständig. Aufgrund der starken Schmutz- und Staubbelastungen müssen die eingesetzten Kehrmaschinen oft gereinigt werden. Dies erledigten die kehrmaschinenfahrenden Personen früher selbst. Zur Entlastung der kehrmaschinenfahrenden Personen erfolgt die tägliche Reinigung durch Beschäftigte mit Gehörlosigkeit im Kontischichtrhythmus (kontinuierlicher Schichtwechsel) an einem Arbeits- bzw. Waschplatz, der dazu mit Hochdruckreinigern und einer Beleuchtungsanlage ausgestattet wurde. Neben der Entlastung der kehrmaschinenfahrenden Personen werden durch die tägliche Reinigung auch die Wartungskosten durch den schmutzbedingten Verschleiß gesenkt und es wird außerdem ein Betrieb über 24 Stunden täglich gewährleistet. Das Rangieren der Kehrmaschinen zum Reinigen sowie der Transport zum und vom Waschplatz auf dem Betriebsgelände übernehmen die gehörlosen Beschäftigten selbst – die geforderte Erlaubnis und Qualifikation dazu besitzen sie durch den Flurförderschein.
Die Kommunikation der Kolleginnen und Kollegen mit den gehörlosen Beschäftigten erfolgt über das Lippenablesen, sodass während der Arbeit keine gebärdensprachdolmetschende Person erforderlich ist. Notfalls werden benötigte Informationen auch schriftlich auf Papier vermittelt.

Die Beschäftigten der anderen Inklusionsabteilung versorgen in der Früh- sowie Spätschicht die übrigen Beschäftigten von ThyssenKrupp MillServices & Systems, die an verschiedenen Orten auf dem weitläufigen Gelände des Stahlherstellers bzw. der ThyssenKrupp Steel Europe AG eingesetzt werden (z. B. an den Hochöfen), mit Hilfe von Kleintransportern mit Ausrüstungsgegenständen (persönliche Schutzausrüstung sowie Arbeitskleidung) und Mineralwasser – dies war bisher die zusätzliche Aufgabe der schichtführenden Person. Die schichtführende Person hat nun mehr Zeit für die Arbeitsorganisation und die Planung von Maßnahmen zur Gewährleistung eines reibungslosen Arbeitsablaufes.
Die Beschäftigten der Inklusionsabteilungen haben für die praktische Arbeit vor Ort die zuständige schichtführende Person und für sonstige Angelegenheiten eine sozialpädagogische Betreuung sowie die Schwerbehindertenvertretung als Ansprechpersonen. Dank der guten Einarbeitung am Arbeitsplatz ist eine permanente Unterstützung in der Regel nicht notwendig. Aufgrund des Bedarfs an entsprechenden Serviceleistungen und der guten Erfahrungen sollen weitere Personen eingestellt oder aufgrund ihrer Beeinträchtigungen aus anderen Bereichen des Unternehmens übernommen werden.

Eingesetzte Hilfsmittel – Anzeigen der Produkte:

kraftbetriebene industrielle Mitfahrer-Transportfahrzeuge

Schlagworte

ICF-Items

Mögliche Assessments – Verfahren und Merkmale zur Analyse und Bewertung

  • EFL - Heben (Boden zur Taillenhöhe/Taillen- zur Kopfhöhe/horizontal)
  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz)
  • EFL - Tragen (rechte, linke Hand/vorne)
  • ELA - Bücken/Aufrichten
  • ELA - Heben
  • ELA - Tragen
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz)
  • ERGOS - Bücken
  • ERGOS - Hören
  • ERGOS - statisches/dynamisches Heben
  • ERGOS - Tragen
  • IMBA - Arbeitszeit
  • IMBA - Ausdauer (psychisch)
  • IMBA - Geneigt/Gebückt
  • IMBA - Gestik/Mimik
  • IMBA - Heben
  • IMBA - Hören
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem)
  • IMBA - Rumpfbewegungen (Bücken/Aufrichten)
  • IMBA - Schichtarbeit
  • IMBA - Tragen
  • IMBA - Umstellung
  • IMBA - Verantwortung
  • MELBA - Ausdauer (psychisch)
  • MELBA - Umstellung
  • MELBA - Verantwortung

Referenznummer:

Pb/110691


Informationsstand: 24.02.2026