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Bibliographische Angaben zur Publikation

Rehabilitationsmanagement in der gesetzlichen Unfallversicherung - ein Weg zur Kostensenkung bei optimaler Behandlungsqualität

Vortrag auf dem Fünfzehnten Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium vom 13. bis 15. März 2006 in Bayreuth



Autor/in:

Ritter, F.; Schmickal, T.; Fornoff, Christian


Herausgeber/in:

Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV Bund)


Quelle:

Deutsche Rentenversicherung, 2006, Sonderausgabe, Seite 263-264, Bad Homburg v. d. H.: wdv Gesellschaft für Medien und Kommunikation


Jahr:

2006



Abstract:


Heilbehandlungen erbringt die gesetzliche Unfallversicherung nach § 1 Satz 1 Nummer 2 SGB VII in Verbindung mit § 26 Absatz 2 SGB VII. Dies ist der Qualitätsmaßstab, der höher als bei anderen Sozialversicherungsträgern ausfällt. Auf der anderen Seite unterliegt die gesetzliche Unfallversicherung dem Ökonomiemaßstab, medizinische Leistungen nach dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu erbringen. Dieser Interessenkonflikt erfordert ein effektives und effizientes Gesundheitsmanagement, um ein hohes Rehabilitationsniveau sicherzustellen und gleichzeitig ein Ansteigen der Rehabilitationskosten zu verhindern.

Die Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie, Bezirksverwaltung Heidelberg hat in einem Projekt eine Form der effizienten Steuerung und Überwachung des Heilverfahrens untersucht. Die enge Zusammenarbeit zwischen dem Sachbearbeiter der Bezirksverwaltung und dem beratenden Arzt ist wesentlicher Inhalt dieses Rehabilitationsmanagements. Der Arzt muss praktisch tätig sein, mindestens D-Arztvertreter oder Oberarzt in einem zum VAV zugelassenen Krankenhaus sein und Zugriff auf einen klinischen Bereich mit verschiedenen Sachdisziplinen und optimal ausgestatteten diagnostischen Möglichkeiten haben.

Es wurden zwei Hypothesen formuliert:
Hypothese 1: Die Bewertung des Rehaaufkommens in einer Berufsgenossenschaft durch den klinisch tätigen Arzt führt zu einer Verbesserung der Heilverfahrenssteuerung bei Problemdiagnosen.
Hypothese 2: Eine individuellere und aufwendigere Einzelfallbewertung verbessert das Heilverfahrensergebnis und spart dem UV-Träger Reha- und Rentenkosten.

Im Rahmen einer Fallanalyse wurden Fälle ohne Interventionsstrategie des beratenden Arztes mit Fällen, in denen die Interventionsstrategie des beratenden Arztes zum Tragen kam verglichen. Bewertet wurden die statistischen Daten durch Herrn Professor Dr. Selbmann vom Institut für medizinische Informationsverarbeitung der Universität Tübingen.

Der Vergleich der beiden Arbeitsmethodiken konzentrierte sich nur auf Handversetzungen, Fingerverletzungen, Kniedistorsionen und Prellungen, Aussenbandrupturen, Sprunggelenksfrakturen sowie sonstige schwere Verletzungen der unteren Extremität. Allen behandelnden Durchgangsärzten konnte hinsichtlich der Diagnosesicherheit eine positive Bewertung zugesprochen werden.

Das positive Ergebnis der Interventionsstrategie ist deutlich an der Entwicklung der Arbeitsunfähigkeitszeiten, der Rehabilitationskosten und der verbliebenen Minderung der Erwerbsfähigkeit zu messen.

Im Ergebnis zeigte sich, dass die Kosten beispielsweise bei Handverletzungen durch die Interventionsstrategie während der Beobachtungszeit im Median wie auch im Mittelwert stiegen, jedoch ein Absinken der Arbeitsunfähigkeitszeit und ein deutlicher Rückgang der entschädigungspflichtigen Fälle verzeichnet wurde.

Bei Fingerverletzungen zeigte sich ebenfalls ein Absinken der Arbeitsunfähigkeitszeit und der Kosten.

Besondere Erfolge zeigten die Sprunggelenksfrakturen und sonstige schwere Verletzungen der unteren Extremitäten. Bei den Sprunggelenksfrakturen konnte eine Senkung der durchschnittlichen Kosten von 4.944 auf 3.400 Euro sowie eine Senkung der Arbeitsunfähigkeitszeit um eine Woche erreicht werden. Die entschädigungspflichtige Minderung der Erwerbsfähigkeit sank von 41 Prozent auf 17 Prozent.

Bei Verletzungen der unteren Extremitäten war die höchste Signifikanz festzustellen. Im Mittelwert zeigte sich hier ein Rückgang von mehr als 22.000 Euro auf weniger als 12.000 Euro. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit halbierte sich nahezu und auch die rentenberechtigende Minderung der Erwerbsfähigkeit im besonders relevanten MdE-Spektrum sank von 61,9 Prozent auf 29, 17 Prozent.

Die festgestellte Kostensenkung spiegelt sich auch in den Geschäfts- und Rechnungsergebnissen wider, die eine deutliche Kostensenkung bei den Rehabilitationskosten ausweisen.

Der Grundsatz mehr Qualität bei weniger Kosten ist damit realisierbar.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Sammelwerk '15. Rehabilitationswissenschaftliches Kolloquium: Rehabilitation und Arbeitswelt - Herausforderungen und Strategien' | REHADAT-Literatur




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Deutsche Rentenversicherung
Homepage: https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/GL1372x52


Informationsstand: 16.06.2006

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