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Angaben zum Forschungsprojekt

Nachbetreuung von Qualifizierungsteilnehmern - Fachliche Begleitung der Fachkräfte der Nachbetreuung von Teilnehmern der Beruflichen Qualifizierungsinitiative für Menschen mit Behinderung in Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Bayern

Problemstellung des Projekts:
Seit Jahren wird sowohl von den Werkstätten selbst als auch von den Sozialleistungsträgern immer wieder gefordert, leistungsfähigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Behinderung in Werkstätten den Übergang auf den Allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Diese Forderungen griff die Qualifizierungsinitiative auf und stellte personelle, organisatorische und fachliche Ressourcen bereit, damit die Werkstätten ihren umfassenden rehabilitativen Auftrag erfüllen konnten. Im Mittelpunkt der Initiative steht die Vorbereitung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch Qualifizierung. Dem Konzept der Qualifizierungsinitiative - mit dem Grundsatz 'erst qualifizieren, dann platzieren' - lag die Annahme zugrunde, dass bis zu 5 % der derzeitigen Schwerbehinderten in Werkstätten für Menschen mit Behinderung durch beruflich und persönlich qualifizierende Angebote und flankierende Maßnahmen eine Tätigkeit unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes ausüben können. Die Qualifizierungsinitiative ist realisierbar geworden, weil hierfür erstmals Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung standen, die eine derartige umfassende und über ganz Bayern verteilte Aktion mit umfassenden fachlichen und personellen Vorbereitungs- und Begleitmaßnahmen ermöglichten.

Umsetzung des Qualifizierungskonzeptes:
Um die Qualifizierungsmaßnahmen zielführend durchführen zu können, war die Erstellung, Ausarbeitung und Überwachung eines Qualifizierungsplans erforderlich, bei dem gleichzeitig behindertenspezifische und persönliche Belange der Betroffenen berücksichtigt werden konnten. Das methodische Grundkonzept sah daher alternative Zuordnungen von Inhaltsebenen und Ablaufphasen vor, die von den Projektgruppen vor Ort letztlich festgelegt wurden. Neben der qualifizierenden Arbeit bedurfte es ferner einer sorgfältigen Auswahl der Betriebe für die vorgesehenen Arbeitserprobungen und Praktika. In der letzten Ablaufphase 'Begleitung nach Vermittlung' war die Sicherstellung und Stabilisierung des Berufserfolgs durch Nachbetreuungsmaßnahmen vorgesehen. Bereits zu Beginn der Qualifizierung war im Maßnahmeziel impliziert, dass die Integration in ein 'normales' Berufsleben mit der einmaligen Vermittlung nicht abgeschlossen sein kann. Für die Nachbetreuung ('Begleitung nach Vermittlung', siehe oben) wurde dementsprechend ein eigenes Projektdesign erstellt. Es wurde so konzipiert, dass für den einzelnen Klienten in der Regel von einem Zeitraum von zwei Jahren ausgegangen wurde. Am Ende dieser Zeitspanne sollten die Arbeitsverhältnisse so gefestigt sein, dass nur eine gelegentliche Beratung notwendig sein sollte. Mit der Installierung der Nachbetreuung wurde auch eine neue Form der Zusammenarbeit der Werkstätten mit den Hauptfürsorgestellen geschaffen, da der Betreuungsaufwand aus Mitteln der Ausgleichsabgabe finanziert wurde.

Zielsetzung und Leistung der fachlichen Begleitung der Nachbetreuung:
Zielsetzung der fachlichen Begleitung der Nachbetreuungsfachkräfte war es, auf ein fachlich und methodisch einheitliches Vorgehen bei der Nachbetreuung von vermittelten Teilnehmern und Teilnehmerinnen der Qualifizierungsmaßnahme hinzuwirken und entsprechende Unterstützungshilfen zu bieten. Letztere bestanden darin, durch Informationen, Beratung und Erfahrungsaustausch eine Vergleichbarkeit und Transparenz der Nachbetreuungstätigkeit herstellen zu können, die kontinuierlich geleistet werden sollte, auch wenn keine aktuellen Probleme des Betreuten im Vordergrund standen. Des Weiteren wurden in Workshops und Informationsveranstaltungen (natürlich auch in Zusammenarbeit mit der fachlichen Begleitung der Qualifizierungsinitiative) kritische Punkte angesprochen, relevante Themen vorgestellt und Anregungen diskutiert, wie die Anwendung und Möglichkeiten arbeitswissenschaftlicher Instrumente des Profilvergleichs, um ein besseres Passungsverhältnis am Arbeitsplatz zu erzielen (Matching-Prozess), die Erstellung eines Betreuungsplanes, der ein kontrolliertes und prozessorientiertes Vorgehen sichtbar macht, die Bestimmung von Arbeitsschwerpunkten innerhalb eines integrierten Betreungsplanes und Möglichkeiten der Fallgestaltung durch Möglichkeiten des Unterstützungsmanagements und das Entwickeln von Alternativen innerhalb der Werkstatt für Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Qualifizierungsmaßnahme.

Um die fachlich qualifizierte Arbeitsweise der Nachbetreuungskräfte und den Verbleiberfolg der erfolgreich vermittelten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu überprüfen, wurden in größeren zeitlichen Abständen Erhebungen in Werkstätten durchgeführt und ausgewertet. Die Schwierigkeiten bei der weiteren Berücksichtigung und Vermittlung der Gruppe von Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die zwar gut qualifiziert, aber nicht vermittelt werden konnten und deshalb in der Werkstatt bleiben mussten, führte zu der Frage, was die Werkstatt für diese und andere nicht an der Maßnahme beteiligte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Behinderung leisten könne, um weitere Chancen der Förderung und Vermittlung nutzen zu können. Somit sollten mit der Gründung eines eigenen Arbeitskreises diese Fragen näher erörtert und konstruktive Lösungsansätze entwickelt werden. Sie sollte also sicherstellen, dass die Beratungs- und Betreuungsaktivitäten der einzelnen nachbetreuenden Fachkräfte zielgerecht, fachlich und methodisch ausgewiesen, transparent und zeitsparend geplant und durchgeführt wurden. Daneben sollte sie die Arbeit der einzelnen aufeinander abstimmen und gegebenenfalls zusammenfassen. Deshalb wurde als erster Maßnahmeschritt eine Informationsveranstaltung durchgeführt, die ein inhaltlich ausgewiesenes und für die Belange der Nachbetreuung geeignetes Matching-Modell vorstellte und Vorschläge für ein Dokumentations- und Planungsverfahren machte. In weiteren Workshops wurden einzelne Bereiche der Nachbetreuungsarbeit und die Notwendigkeit und Durchführung eines Betreuungsplanes vertieft behandelt und geschult. Bei speziellen Problemen wurde die Möglichkeit gezielter Beratung und Unterstützung vor Ort angeboten. Außerdem wurde eine weitere Entwicklung der vermittelten und betreuten Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesammelt, ausgewertet und dokumentiert. Auf diese Weise war es möglich, die eingesetzten Instrumentarien den Erfordernissen der spezifischen Situation anzupassen und entsprechend weiterzuentwickeln.

Ergebnis:
Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen in einem weiteren Unterlagenband veröffentlicht werden. Daneben bemüht sich die fachliche Begleitung der Nachbetreuung Themen und Bereiche aufzugreifen, die Qualifizierung und Nachbetreuung in einen über das Projekt hinausweisenden Zusammenhang zu stellen, über diese Aspekte und Ansätze zu informieren und eine Diskussion darüber in Gang zu bringen. Die momentane Situation, dass qualifizierte Fachkräfte in den Werkstätten zur Verfügung stehen, soll dafür genutzt werden, dass Qualifizierung und Nachbetreuung als Anliegen und Aufgabe strukturell in den Werkstätten verankert und verfestigt werden.

Methoden:

Infoveranstaltung, Workshops, didaktische Materialien, Dokumentationshilfen, Arbeitskreise, Konzeptentwicklung.



Beginn:

01.01.1996


Abschluss:

31.12.1998


Art:

Gefördertes Projekt / Modellprojekt


Kostenträger:


Bayerisches Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales
früher: Bayerisches Arbeitsministerium



Weitere Informationen


Referenznummer:

i971120u11k


Informationsstand: 03.04.2020