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Angaben zum Forschungsprojekt

Umsetzung neuer Anforderungen zum Arbeitsschutz in Werkstätten für Behinderte

Die seit zwei Jahren veränderte Gesetzgebung zum Arbeitsschutz wirkt sich auch auf Werkstätten für Behinderte massiv aus. Dies sind zunächst das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und damit zusammenhängend verschiedene Verordnungen (u. a. Bildschirmarbeits-Verordnung, Verordnung für Persönliche Schutzausrüstungen). Diese Regelungen gelten ausdrücklich auch für die in WfB Beschäftigten (§ 2 ArbSchG). Im ArbSchG werden geeignete technische, organisatorische und personelle Vorkehrungen gefordert, um einen größtmöglichen Arbeits- und Gesundheitsschutz zu gewährleisten (§§ 3 und 4 ArbSchG). Zudem sind regelmäßige Gefährdungsanalysen für alle Arbeitsplatztypen und deren Dokumentation (§5 ArbSchG) vorgeschrieben.

Weitere Neuerungen betreffen die Neuordnung der gesetzlichen Unfallversicherung im Sozialgesetzbuch VII sowie die Änderung der Beitragsbemessungsgrundlage der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, die für WfB zu Erhöhungen der Beiträge um bis zu 100 % führte.
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, reichen traditionelle, vor allem technisch orientierte Maßnahmen des Arbeitsschutzes nicht mehr aus. Vielmehr sind vorbeugende Ansätze (Information, Schulung, Förderung des Sicherheitsbewusstseins, strukturierte Analyse und Beseitigung von Gefahrenpotenzialen) erforderlich. Weiterhin sind verstärkt Maßnahmen zur Gesundheitsförderung notwendig, womit auch psychischen Belastungen am Arbeitsplatz, die zunehmend für Fehlzeiten verantwortlich sind, begegnet wird. Die Förderung des Arbeitsschutzes auf der skizzierten breiten Basis bedingt die Einbindung des Personals, aber auch der behinderten Mitarbeiter. Da ‘zwangsverordnete' Maßnahmen kaum zu nachhaltigen Verbesserungen führen, kommt der Motivation der Mitarbeiter entscheidende Bedeutung zu.

Ergebnisse des Forschungsprojektes:

Das vom Arbeitskreis "Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung in Werkstätten für Behinderte" (AK ASG-WfB) entwickelte Instrumentarium zur Organisation, Durchführung und Dokumentation von Gefährdungsanalysen ist speziell auf die Belange der WfB zugeschnitten. Es erfüllt die gesetzlichen Anforderungen und ist mit den Aufsichtsorganen (Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Staatliche Gewerbeaufsicht) abgestimmt. Die Gefährdungsanalyse besteht aus verschiedenen Modulen auf drei Ebenen. Auf der oberen Ebene werden durch die Checkliste ‘Arbeitsstätte allgemein' übergreifende Fragestellungen wie z. B. Hausinstallation, Verkehrswege, Arbeitsumfeld (Beleuchtung, Klima, Lärm, ...) behandelt. Daneben ist die innerbetriebliche Organisation des Arbeitsschutzes Bestandteil dieser Ebene.
Auf der mittleren Ebene werden schwerpunktmäßig die verschiedenen Arbeitsbereiche der WfB sowie die ‘Logistik' (inner- und außerbetrieblicher Materialtransport, Personenbeförderung, Lager, ...) und spezielle Betreuungsmaßnahmen hinsichtlich möglicher Gefährdungen untersucht. Die untere Ebene bilden Checklisten, die im Bedarfsfall zur Ergänzung der anderen Analyseinstrumente herangezogen werden können.
Nach Abschluss dieser Vorarbeiten wurde in einer WfB ein partizipatives Sicherheitsgruppenkonzept zur Förderung von Arbeitsschutz und Gesundheit eingeführt, in das alle Gruppen der Werkstatt eingebunden sind. Dabei wurden bestehende Strukturen genutzt, um den zusätzlichen Aufwand zu begrenzen.
Im Rahmen der regelmäßigen Produktionsbesprechungen (P-Besprechung) wurden, basierend auf den Ergebnissen der Gefährdungsanalysen, Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes abgeleitet.
Die moderierte Sicherheitsbesprechung ersetzt die traditionelle Unterweisung. Hier diskutieren die Bereichsleiter mit ihren Mitarbeitern aktuelle Sicherheitsprobleme.
Der Werkstattrat ist als Interessenvertreter der behinderten Mitarbeiter eingebunden. Ein Mitglied des Werkstattrates nimmt an den Arbeitsschutz-Sitzungen im Rahmen der P-Besprechung teil.
Im Gesundheitszirkel diskutieren auf freiwilliger Basis Mitarbeiter verschiedener Bereiche vor allem über psychische Belastungen, die mit der Arbeit in einer WfB verbunden sind, und leiten daraus Verbesserungsvorschläge ab.
Die Ergebnisse der verschiedenen Gruppen werden regelmäßig kommuniziert. Eine Koordination der verschiedenen Aktivitäten im Rahmen des Sicherheitsgruppenkonzeptes ist unbedingt erforderlich.
Eine ausführliche Beschreibung der Projektergebnisse liegt zusammen mit den erforderlichen Grundlagen in Form eines anwendungsorientierten Leitfadens vor.
Der Leitfaden enthält auch eine ausführliche Darstellung des Instrumentariums zur Gefährdungsanalyse sowie erste Umsetzungserfahrungen.

Instrumentarium zur Gefährdungsanalyse gemäß Paragraph 5 ArbSchG für Werkstätten für Behinderte; Konzept zur Förderung von Arbeitsschutz und Gesundheit in Werkstätten für Behinderte.



Beginn:

01.01.1997


Abschluss:

30.06.1998


Art:

Gefördertes Projekt



Weitere Informationen


Abstract

Putting into practice new requirements for work protection in sheltered workshops for the disabled

Instrument for analysis of dangers according to paragraph 5 German Work Protection Law for sheltered workshops for the disabled; concepts for support of work protection and health in sheltered workshops for the disabled.
Methods: Action research: common development and carrying out with individual sheltered workshops; final evaluation Collection: Contents analysis, open. Analysis of files, open.
Group discussion. Qualitative interview. Field work by staff on the project.


Referenznummer:

i980414u09k


Informationsstand: 31.01.2020