Inhalt

in Literatur blättern

  • Detailansicht

Bibliographische Angaben zur Publikation

Entscheidungsfindung ohne Worte


Autor/in:

Weber, Andreas; Weber, Ulrike


Herausgeber/in:

k. A.


Quelle:

Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin, 2013, 23. Jahrgang (Heft 5), Seite 301-306, Stuttgart: Thieme, ISSN: 0940-6689


Jahr:

2013



Abstract:


Einleitung:

Gehörlose Menschen sind in besonderen Maße von einer Nicht-Teilhabe im Sinne der ICF bedroht, da sie an der meist lautsprachlich stattfindenden Kommunikation nicht oder nur mit starken Einschränkungen teilnehmen können und ihnen der Zugang zu akustisch vermittelten Informationen nicht oder nur teilweise möglich ist. Für die Teilhabe von gehörlosen Menschen sind sowohl Kenntnisse über ihre Kommunikationsformen als auch die Gestaltung barrierefreier Kommunikationsräume notwendig. Für die Gestaltung solcher Umgebungen wurden in letzten Jahren verschiedene gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen. Der Frage, ob sie auch umgesetzt werden, geht das Projekt GINKO am Beispiel der Teilhabe von gehörlosen Menschen am Arbeitsleben nach.

Material und Methode:

Betroffene wurden mit einem standardisierten Fragebogen, der auch online mit Gebärdensprachfilmen zur Verfügung stand, schriftlich zu Inhalten der aktuellen Gesetzgebung und der kommunikativen Situation am Arbeitsplatz befragt.

Ergebnisse:

Von den 1039 berufstätigen gehörlosen Teilnehmenden schätzt etwa ein Drittel (30,9 Prozent, n=321) seinen Arbeitsplatz als hörgeschädigtengerecht ein. 19,5 Prozent (n=203) beurteilen ihr Arbeitsumfeld, 20,7 Prozent (n=215) die Arbeitsorganisation und 24,4 Prozent (n=254) ihre Arbeitszeit als hörgeschädigten gerecht. Etwa ein Drittel (33,2 Prozent, n=345) der Teilnehmenden findet, dass ihr Arbeitsplatz mit den erforderlichen technischen Hilfsmitteln ausgestattet ist. Zur Kommunikation am Arbeitsplatz werden überwiegend laut- oder schriftsprachliche Kommunikationsformen eingesetzt.

Schlussfolgerung:

Die Ergebnisse der GINKO-Studie weisen zum einen daraufhin, dass die gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen zur Gestaltung von behinderungsgerechten Arbeitsplätzen bisher noch in geringem Maße umgesetzt werden. Dadurch können die kommunikativen Möglichkeiten gehörloser Arbeitnehmer beeinträchtigt und die Teilhabe an den in der heutigen Zeit mehr denn je wichtigen Kommunikationsprozessen auch im Rahmen eines 'shared decision making' im medizinischen Bereich erschwert sein.


Weitere Informationen:


Englisches Abstract:

Decision Making without Words


Abstract:


Purpose:

Communication without barriers and decision making without 'words”, how is it possible for deaf people? Any hearing impairment is a serious handicap for both speech hearing and for non-speech sound communication and it has a serious impact on the activity and participation possibilities of the concerned people. To enable participation it is necessary to have knowledge about the communication forms of deaf people and to reduce communication barriers. In recent years, particularly through the SGB IX and the Convention on the Rights of Persons with Disabilities (CRPD) the legal basis to reduce communications barriers for people with hearing impairment has been changed and further improved. As part of the GINKO (the legislative effect laws have on the professional integration of those who are hard of hearing, people who have gone deaf and those who are deaf through communication and organization; promotion: BMAS) project it is of research interest, whether the information about the legal framework reaches the people affected and whether the laws have a positive impact on the communication in the working life of deaf people.

Materials and Methods:

Persons with hearing impairment were asked by a standardized ques­tionnaire, which was also available online with sign language films, about their knowledge about the contents of the current legislation and their communication situation in their workplace.

Results:

30.9 percent (n=321) of the n=1039 employed deaf participants reported, that their workplace is adapted to their hearing impairment. 20.7 percent (n=215) indicated, that the organization of the work is adapted to their hearing impairment and 24.4 percent (n=254) reported, that their working time is adapted. 33.2 percent (n=345) of participants have technical communication aids on their workplace.

Conclusions:

The findings of the GINKO-project suggest that there is a remarkable deficit in the implementation of the legal possibilities for workplace accommodations and as a result the communication and the 'decision making” of deaf employees might be strongly affected.


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Mehr zum Thema:


Projekt GINKO




Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag / Forschungsergebnis




Bezugsmöglichkeit:


Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin
Homepage: https://www.thieme.de/de/physikalische-rehabilitations-kuror...

Um Literatur zu beziehen, wenden Sie sich bitte an Bibliotheken, die Herausgeber, den Verlag oder an den Buch- und Zeitschriftenhandel.



Referenznummer:

R/ZS0152/0053


Informationsstand: 21.11.2013

in Literatur blättern