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Angaben zum Forschungsprojekt

Zur Bedeutung von Selbstbestimmung und Selbständigkeit in der Rehabilitation sehgeschädigter Menschen

Bis Mitte der 90er Jahre war das Bestreben der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik sowie der Rehabilitation sehgeschädigter Menschen vom Leitziel einer größtmöglichen Selbständigkeit sehgeschädigter Menschen geprägt. Rehabilitationsmaßnahmen z. B. im Bereich der Orientierung und Mobilität waren ausschließlich darauf ausgerichtet, sehgeschädigte Menschen dazu zu befähigen, ihren Alltag weitest möglich ohne fremde Hilfe zu bewältigen. Hilfebedarfe sollten durch selbständigkeitsfördernde, sehgeschädigtenspezifische Techniken und Hilfsmittel so weit wie möglich vermieden werden. Unberücksichtigt blieb hierbei die Frage des von sehgeschädigten Menschen aufzuwendenden Zeit- und Kraftaufwandes sowie ihr individueller Wunsch bezüglich des Umgangs mit ihrer Beeinträchtigung bzw. Behinderung.

In den letzten Jahren ist bezogen auf die Zielsetzung sehgeschädigtenpädagogischer Förderung jedoch ein Wandel zu erkennen: In der theoretischen Diskussion der Blinden- und Sehbehindertenpädagogik gewinnt das Paradigma der Selbstbestimmung zunehmend an Bedeutung. Die Führung eines selbstbestimmten Lebens mit Persönlicher Assistenz wird als Alternative zu einer durch Selbermachen geprägten Lebensführung angesehen. Gefordert wird eine Wahlfreiheit für sehgeschädigte Menschen zwischen beiden Lebensformen.

Auch auf politischer Ebene ist der Paradigmenwechsel erkennbar. So fördert das damalige Ministerium für Arbeit und Gesundheit, Qualifikation und Technologie die Erprobung eines u. a. von der Antragstellerin entwickelten Schulungskonzepts für Menschen, die ihren Hilfebedarf über Persönliche Assistenz abdecken möchten. Die Evaluation dieses Vorhabens erfolgt u. a. durch die Antragstellerin. Hierzu wurden Drittmittel eingeworben.

Im Rahmen des hier beantragten Forschungsprojekts soll untersucht werden, ob sich der in Theorie und Politik erkennbare Paradigmenwechsel auch auf die Inhalte der Rehabilitationsangebote für sehgeschädigte Menschen ausgewirkt hat, welche Erfahrungen dabei gesammelt wurden und wo noch Veränderungs- und Unterstützungsbedarf besteht. Hierzu sollen die dem Berufsverband der Rehabilitationslehrer und -lehrerinnen für sehgeschädigte Menschen angehörenden Rehabilitationslehrer und -lehrerinnen mittels eines halb standardisierten Fragebogens befragt werden. Auf diese Weise soll die Grundlage für ein am Prinzip der Selbstbestimmung orientiertes Curriculum im Bereich der Rehabilitation sehgeschädigter Menschen geschaffen werden. Dieses Curriculum stellt eine wertvolle Ergänzung und Spezifizierung zum o.g. Schulungsangebot für Assistenznehmer und -nehmerinnen dar.



Beginn:

01.08.2003


Abschluss:

01.04.2004


Art:

Eigenprojekt



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Abstract

To the Meaning of Self-Determination and Independence in the Rehabilitation of Persons with Blindness and Low Vision

In my survey I will investigate whether the paradigm shift from the primacy of independence to the primacy of self-determination, which is to be seen in science and policy, also has an influence on the subjects of the training of orientation and mobility.
In this survey I asked all german specialists of orientation and mobility about the contents of their lessons, about their oppinion relating to the use of personal help and about their attitude towards independence and self-determination. Further I wanted to know whether self-determination and personal assistance had been taught subjects in their own training. The survey is based on a semi-standardized interview manual. Based on the results of my survey I will offer suggestions how to integrate the subjects of self-determination and personal assistance into the curricula of the training of orientation and mobility. Since to my oppinion it must become an aim and subject of the training of orientation and mobility to teach skills as well in the area of independence as in the area of self-determination with using personal assistance.


Referenznummer:

R/FO2857


Informationsstand: 29.11.2019