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Bibliographische Angaben zur Publikation

Inklusions-Verweigerung ist teuer


Autor/in:

Theissen, Bettine


Herausgeber/in:

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH


Quelle:

Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 2014, Nr. 282.12.14, Seite 23, Frankfurt am Main: FAZ GmbH


Jahr:

2014



Abstract:


Abgabe für Firmen ohne behinderte Mitarbeiter soll steigen
dc. BERLIN, 3. Dezember. Arbeitgeber müssen laut Gesetz mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Behinderten besetzen, sonst fällt eine Ausgleichsabgabe an. Dennoch hat etwa ein Viertel der insgesamt 150000 durch die Vorschrift erfassten Arbeitgeber gar keinen Behinderten angestellt. Deshalb setzen sich nun die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, und der Deutsche Behindertenrat für eine Anhebung der Abgabe ein: Speziell Arbeitgeber, die keine oder kaum Stellen mit Behinderten besetzen, sollen den Vorstellungen zufolge künftig mehr bezahlen. Dies sei 'überfällig', urteilte der Präsident des Behindertenrates, Adolf Bauer, und pflichtete damit Empfehlungen der Behindertenbeauftragten vom Wochenbeginn bei.

Schon bisher sieht das Sozialgesetzbuch gestaffelte Zahlungen vor: Arbeitgeber, die den geforderten Anteil von 5 Prozent nur knapp verfehlen, müssen monatlich 115 Euro für jeden Arbeitsplatz bezahlen, der zum Erreichen der Quote fehlt. Für Arbeitgeber, die weniger als 2 Prozent der Stellen mit Behinderten besetzen, sind es bisher schon 290 Euro je Arbeitsplatz. Dieser Satz würde den Überlegungen zufolge noch einmal erhöht. Die Ausgleichsabgabe wird von Integrationsämtern und Fürsorgestellen genutzt, um Behinderte im Arbeitsleben zu fördern. Insgesamt fallen jährlich rund 500 Millionen Euro an Abgaben an. 38000 Arbeitgeber beschäftigen gar keine Behinderten. Die Pflicht gilt für Unternehmen und Behörden mit mindestens 20 Beschäftigten.

Bentele setzt indes nicht nur auf höhere Sanktionen. Es sei auch 'enorm wichtig, bürokratische Hürden bei der Ausbildung und Beschäftigung von Menschen mit Behinderung zu beseitigen', forderte sie auf einer Veranstaltung zum Thema Fachkräftesicherung und Inklusion. Der Hinweis zielt darauf, dass es für Arbeitgeber bisher beispielsweise oft sehr kompliziert ist, ihnen zustehende Lohnkostenzuschüsse für behinderte Mitarbeiter zu beantragen - je nach Fall ist mal die Arbeitsagentur und mal die Rentenversicherung zuständig. Das bisher nur in manchen Regionen umgesetzte Modell eines einheitlichen Ansprechpartners für Betriebe, die Behinderte beschäftigen wollen, müsse zügig flächendeckend umgesetzt werden.

Die Regierungsbeauftragte wies darauf hin, dass Behinderte von sinkenden Arbeitslosenzahlen bisher kaum profitiert hätten. In Zeiten des Fachkräftemangels sei es jedoch auch 'volkswirtschaftlich unbedingt notwendig, alle Potentiale zu nutzen', mahnte Bentele. Von insgesamt rund 53 Millionen Menschen im Alter zwischen 15 und 65 Jahren sind laut amtlicher Statistik rund 3,3 Millionen oder 6 Prozent Menschen mit Behinderung. Laut Arbeitsagentur sind derzeit 177 000 Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet. Das sind 4400 mehr als vor drei Jahren.


Weitere Informationen:


Schlagworte:
Informationen in der ICF:


Dokumentart:


Zeitschriftenbeitrag




Bezugsmöglichkeit:


Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)
Homepage: https://www.faz.net/

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Referenznummer:

R/ZA5789


Informationsstand: 08.12.2014

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