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Angaben zum Forschungsprojekt

EINKAUFEN2030 - barrierefrei und inklusiv

Einkaufen gehört für die meisten von uns zum selbstverständlichen Alltag. Nahezu jeder konsumiert mindestens einmal täglich. Sei es der Brötchenkauf, Tanken an der Tankstelle, der Einkauf im Supermarkt oder die Beschaffung von Kleidung oder anderen Non-Food Artikeln. Auch wenn man vermuten sollte, dass das Einkaufen sich in allen Branchen verstärkt in Richtung Internet verlagert hat, fällt doch auf, dass gerade die Güter des alltäglichen Bedarfs nach wie vor mehrheitlich offline beschafft werden. Der Einzelhandel sieht sich durch den Onlinehandel und die steigende Anzahl von Konsumtempeln bedroht. Im Kapitel "Ausgangssituation" beleuchten wir, dass diese Sorge unbegründet ist, die eigentliche Herausforderung aber vor der eigenen Ladentür beginnt.

Wie in vielen anderen Bereichen stellen wir im Handel fest, dass die Notwendigkeit für Barrierefreiheit dort noch nicht umfassend bis überhaupt nicht erkannt wurde. Ein leider selbstgemachtes Problem in Deutschland. Seit 2003 verfolgt uns die Fehlinterpretation von Barrierefreiheit als Rollstuhlgerecht. Ein Großteil der Gesellschaft sieht den Mensch mit Behinderung immer noch als 50 Jährige/n im Rollstuhl. Ein Ladenlokal angepasst für Rollstuhlfahrer/innen ist nicht barrierefrei. Nicht berücksichtigt wird meist Hörbehinderung, Sehbehinderung, geistige Behinderung bis hin zu nicht sichtbaren Behinderungen. Barrierefreiheit ist eine gesamtgesellschaftliche Notwendigkeit vom Kind bis zu den Hochbetagten. Schaffen wir also umfassende Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung, profitiert die gesamte Gesellschaft davon.

Hauptziel unseres Modellprojektes "EINKAUFEN2030 barrierefrei & inklusiv" ist es, den weißen Fleck Handel im Bereich der Barrierefreiheit zu beseitigen. Dies erreichen wir durch die Erarbeitung und Schaffung bundesweit einheitlicher Standards. Im Handel sollen der Grundsatz der Barrierefreiheit für Alle sowie die Bestimmungen und Regelungen zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention Beachtung finden und berücksichtigt werden. Standards alleine genügen aber nicht, es braucht auch realisierbare Lösungen für die praktische Umsetzung von Barrierefreiheit und die Bewusstseinsbildung, sprich den Abbau der Barrieren in den Köpfen.

Hierzu entwickeln wir ein Praxishandbuch für barrierefreie Shopgestaltung und ein unterstützendes Onlinetool zur Ladenlokalgestaltung. Damit die Bewusstseinsbildung und Sensibilisierung so früh wie möglich greift, setzen wir im frühen Stadium der Berufsausbildung an und entwickeln Unterrichtsmodule für den Berufsschulunterricht. Hierzu entsteht u. a. am Standort Aachen ein Lernladen, um theoretische Grundlagen praktisch zu vermitteln und Ideen der Auszubildenden zu fördern und zu erproben. Schließlich sollen die sensibilisierenden Schulungsmodule auch für bereits aktive Einzelhändler/innen und Verkäufer/innen in Deutschland angeboten werden.

Abgerundet wird das Projekt durch die Erarbeitung von Handlungskonzepten für z. B. Einkaufs- und Werbegemeinschaften, als infrastrukturelle Serviceketten in Städten und Gemeinden. Dies vor dem Hintergrund, dass einzelne barrierefreie Angebote lediglich Insellösungen darstellen, wir aber eine umfassende und flächendeckende Barrierefreiheit benötigen. Es ist uns gelungen, hierzu Akteure/innen aus allen relevanten Bereichen (Schule, Handel, Menschen mit Behinderung, Interessenverbänden, Normung und Handwerk) zu gewinnen, die sich mit uns gemeinsam dieser Herausforderung stellen und nachhaltige Lösungen erarbeiten möchten.



Bezug des Projekts zur internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF):
Die ICF ist kein ausdrücklicher Forschungsgegenstand, wird aber im Vorhaben genutzt, z.B. durch den Einsatz ICF-basierter Instrumente / Skalen zur Beschreibung von Untersuchungsvariablen, Verlaufsdokumentation, Ergebnismessung etc.



Beginn:

01.10.2014


Abschluss:

30.09.2017


Art:

Gefördertes Projekt / Modellprojekt


Kostenträger:


Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS)



Weitere Informationen


Referenznummer:

R/FO125723


Informationsstand: 20.08.2019