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Angaben zum Praxisbeispiel

Inklusionsprojekt zur Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen beim technischen Dienstleister ThyssenKrupp MillServices & Systems GmbH

Arbeitgeber:

ThyssenKrupp MillServices & Systems beschäftigt in Deutschland ca. 2.000 Mitarbeiter und ist ein technischer Dienstleister mit besonderem Know-how in der Metall erzeugenden sowie verarbeitenden Industrie, aber auch in anderen Branchen mit komplexen Produktionsprozessen. Neben Transportlogistik, Instandhaltung und Verpackung bietet das Unternehmen auch ein Schlackenmanagement an.
Zur Beschäftigung von Menschen mit einer Schwerbehinderung wurde jeweils eine Inklusionsabteilung mit vier Mitarbeitern am Standort Beeckerswerth und sieben Mitarbeitern am Standort Duisburg Süd gegründet.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Mitarbeiter in den Inklusionsabteilungen:

Die Mitarbeiter sind körperbehindert, psychisch erkrankt oder sinnesbehindert. Bei den Mitarbeitern mit einer körperlichen Behinderung ist überwiegend der Stütz- und Bewegungsapparat betroffen, wodurch lang anhaltende physisch stark belastende Tätigkeiten (z. B. das Tragen und Heben von Lasten) vermieden werden sollten. Die Mitarbeiter mit einer psychischen Erkrankung sind, z. B. in Bezug auf Zeit-/Leistungsdruck und sich schnell ändernden Arbeitsabläufen, nur sehr eingeschränkt psychisch belastbar. Sie sollten daher nur für klar strukturierte Tätigkeiten eingesetzt werden, bei denen es nur geringfügige Abweichungen im Ablauf gibt und die zeitlich nicht an einem Maschinentakt gebunden sind. Zu den Mitarbeitern mit einer Sinnesbehinderung gehören gehörlose Personen, die akustische Informationen, z. B. Lautsprache und Signale, nicht wahrnehmen können. Eine verbale Kommunikation mit ihnen ist daher nur über einen Gebärdensprachdolmetscher oder das Lippenablesen möglich. Zum Lippenablesen müssen die Lippen dabei gut zu sehen sein und es muss deutlich sowie langsam gesprochen werden.

Ausbildung und Beruf:

Die Mitarbeiter sind Hilfskräfte oder Facharbeiter und wurden neu sowie unbefristet vom Arbeitgeber für die Inklusionsabteilungen eingestellt. Die Qualifizierung der Mitarbeiter für die jeweilige Inklusionsabteilung erfolgte durch interne sowie externe Trainings- und Ausbildungsmaßnahmen. Am Standort Duisburg Süd beispielsweise erwarben fünf Mitarbeiter, im Rahmen ihrer Fahrschulausbildung, den erforderlichen bzw. vom Auftraggeber der Serviceleistung geforderten Lkw-Führerschein zum Fahren der Kehrmaschinen und zwei Mitarbeiter den Flurförderschein nach den Vorschriften der Berufsgenossenschaft, um die Kehrwagen betriebsintern zum Waschplatz und zurück zu transportieren.
Während der Trainingsmaßnahmen wurden die Inhalte für die gehörlosen Mitarbeiter von zwei Dolmetschern in Gebärdensprache übersetzt.
In REHADAT finden Sie auch Gebärdensprachdolmetscher.

Arbeitsplatz und Arbeitsaufgabe:

In der Inklusionsabteilung am Standort Duisburg Süd sind fünf Mitarbeiter für die Reinigung der Werksstraßen mit Kehrmaschinen und zwei gehörlose Mitarbeiter für die Reinigung der Kehrmaschinen an einem Waschplatz zuständig. Aufgrund der starken Schmutz- und Staubbelastungen müssen die eingesetzten Kehrmaschinen oft gereinigt werden. Dies erledigten die Kehrmaschinenfahrer früher selbst. Zur Entlastung der Kehrmaschinenfahrer erfolgt die tägliche Reinigung durch die zwei gehörlosen Mitarbeiter im Kontischichtrhythmus (kontinuierlicher Schichtwechsel) an einem Arbeits- bzw. Waschplatz, der dazu mit Hochdruckreinigern und einer Beleuchtungsanlage ausgestattet wurde. Neben der Entlastung der Kehrmaschinenfahrer werden durch die tägliche Reinigung auch die Wartungskosten durch den schmutzbedingten Verschleiß gesenkt und es wird außerdem ein Betrieb über 24 Stunden täglich gewährleistet. Das Rangieren der Kehrmaschinen zum Reinigen sowie der Transport zum und vom Waschplatz auf dem Betriebsgelände übernehmen die beiden gehörlosen Mitarbeiter selbst - die geforderte Erlaubnis und Qualifikation dazu besitzen sie durch den Flurförderschein.
Die Kommunikation der Kollegen mit den beiden gehörlosen Mitarbeitern erfolgt über das Lippenablesen, sodass während der Arbeit kein Gebärdendolmetscher erforderlich ist. Notfalls werden benötigte Informationen auch schriftlich auf Papier vermittelt.

Die vier Mitarbeiter der Inklusionsabteilung am Standort Beeckerswerth versorgen in der Früh- sowie Spätschicht die übrigen Mitarbeiter von ThyssenKrupp MillServices & Systems, die an verschiedenen Orten auf dem weitläufigen Gelände des Stahlherstellers bzw. der ThyssenKrupp Steel Europe AG eingesetzt werden (z. B. an den Hochöfen), mit Hilfe von Kleintransportern mit Ausrüstungsgegenständen (persönliche Schutzausrüstung sowie Arbeitskleidung) und Mineralwasser - dies war bisher die zusätzliche Aufgabe der Schichtmeister. Die Schichtmeister haben nun mehr Zeit für die Arbeitsorganisation und die Planung von Maßnahmen zur Gewährleistung eines reibungslosen Arbeitsablaufes.

Die Mitarbeiter der Inklusionsabteilungen haben für die praktische Arbeit vor Ort die zuständigen Schichtführer und für sonstige Angelegenheiten eine sozialpädagogische Betreuung sowie die Schwerbehindertenvertretung als Ansprechpartner. Dank der guten Einarbeitung am Arbeitsplatz ist eine permanente Unterstützung in der Regel nicht notwendig. Aufgrund des Bedarfs an entsprechenden Serviceleistungen und den guten Erfahrungen, sollen am Standort Duisburg Süd fünf Mitarbeiter eingestellt sowie eine weitere Kehrmaschine angeschafft und am Standort Beeckerswerth zusätzlich die Reinigung der Werksstraßen übernommen werden.

Eingesetzte Hilfsmittel - Anzeigen der Produkte:


Förderung:

Die Gründung des Inklusionprojektes bzw. der beiden Inklusionsabteilungen und die Gebärdensprachdolmetscher wurden vom Integrationsamt gefördert. Der Arbeitgeber erhält außerdem vom Integrationsamt einen Beschäftigungssicherungszuschuss (Minderleistungsausgleich) und eine Betreuungsaufwandsentschädigung zur Kompensation der außergewöhnlichen Belastungen, die bei der Beschäftigung der schwerbehinderten Mitarbeiter entstehen.
Der Arbeitgeber erhielt vom jeweiligen Kostenträger (Jobcenter und Rentenversicherung) zusätzlich Eingliederungszuschüsse als Hilfe zur Inklusion der vorher über einen längeren Zeitraum arbeitslosen Mitarbeiter. Das Jobcenter förderte zusätzlich den Erwerb des Lkw-Führerscheins und Flurförderscheins.



Schlagworte und weitere Informationen

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Referenznummer:

Pb/110691



Informationsstand: 08.01.2018