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Angaben zum Praxisbeispiel

Betriebliches Eingliederungsmanagement für eine Krankenschwester mit einer Bronchitis und psychischen Erkrankung - berufliche Rehabilitation als Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben

Mitarbeiter

Die 38-jährige Krankenschwester arbeitet seit 18 Jahren als Krankenschwester beim Arbeitgeber. Sie arbeitet mit 38,5 Wochenstunden auf der Intensivstation. Mit drei weiteren Kolleginnen und Kollegen wird im Wechseldienst, Früh-, Mittag- und Nachtdienst, gearbeitet. Es gibt 15 Intensivbetten für die Pflege und den Umgang mit schwerkranken Patienten, mit allen Intensivtechniken, wie Beatmung, Drainagen, Zentralem Venenkatheter, Assistenz Reanimation.

Arbeitgeber

Der Arbeitgeber betreibt Krankenhäuser und beschäftigt 5600 Mitarbeiter. Im betreffenden Krankenhaus ist eine Interessenvertretung (Schwerbehindertenvertretung) vorhanden und es wurde ein Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM) eingeführt.

Fallschilderung

Die Krankenschwester hatte sehr selten Fehlzeiten. Sie erkrankte mit einer Bronchitis, in deren Verlauf sich eine Antibiotikaallergie entwickelte. Sie glaubte bald wieder arbeiten zu können. Jedoch stellte die Krankenschwester plötzlich eine Antriebsarmut fest. Sie war weder in der Lage aufzustehen noch wusste sie, wie sie den Tag verbracht hatte. Sie ging zu ihrem Hausarzt. Dort hatte sie einen schweren Nervenzusammenbruch. Direkt aus der Praxis wurde sie für drei Monate in die Psychiatrie eingeliefert. In einer Therapie wurde die Ursache des Zusammenbruchs aufgearbeitet. Die Krankenschwester konnte die Arbeit mit schwerkranken Patienten und Tod psychisch nicht mehr bewältigen. Sie war außer Stande ein Krankenhaus zu betreten. Nach der Psychiatrie schlossen sich Aufenthalte in Tageskliniken an. Eine Besserung war nicht in Sicht. Das Krankengeld endete, und sie wurde von der Krankenkasse ausgesteuert. Die Agentur für Arbeit zahlte für ein Jahr Arbeitslosengeld und forderte sie auf, einen Rentenantrag zu stellen. Dieser wurde mit der Begründung abgelehnt, die Krankenschwester sei noch in der Lage vollschichtig ihre Arbeit als Krankenschwester auszuüben.
Die Krankenschwester holte sich Rat bei der Disability Managerin (einer Fallmanagerin). Sie konnte nicht alleine zum Termin kommen und brachte ihren Mann mit. Reden war ihr nicht möglich, da sie ständig weinen musste. Ihr Ehemann erzählte, dass seit Eingang des Briefes mit der Rentenablehnung es seiner Frau wieder sehr schlecht ginge. Eine Perspektive sieht die Krankenschwester für sich nicht. Das Leben ist für sie sinnlos geworden. Nachdem sich die Krankenschwester beruhigt hat, wird sie gefragt, was ihr denn an ihrer Arbeit im Krankenhaus Spaß gemacht hatte. Sie konnte nichts nennen.
Ihr Mann begann für sie zu erzählen: "Meine Frau konzipierte gerne Seminare und führte diese auch als Dozentin mit großem Erfolg durch." Da zeigt sich auf dem Gesicht der Krankenschwester ein Lächeln und sie sagt: "Ja, das hat mir Spaß gemacht. Darin war ich wirklich gut."
Die Fallmanagerin spricht die Möglichkeit einer beruflichen Rehabilitation an, da die Krankenschwester nicht in Rente gehen will. Sie wird darauf hingewiesen, dass im Beruflichen Trainingszentrum einmal im Monat eine Informationsveranstaltung stattfindet. Wenn sie Interesse hätte, könnte sie sich dort doch mal über das Angebot informieren.
Einige Zeit später berichtet der Mann der Krankenschwester in einem Telefonat, dass seine Frau im beruflichen Trainingszentrum gewesen ist und über die Möglichkeiten begeistert ist. "Seit dem sie dort gewesen ist, geht es ihr viel besser und sie sieht für sich wieder eine berufliche Perspektive."
Die Krankenschwester stellt einen Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Der Antrag wird vom Rententräger abgelehnt.
Die Fallmanagerin empfiehlt bei ihrem Arbeitgeber, dem Krankenhaus, um ein BEM-Gespräch zu bitten und gleichzeitig mit dem Betriebsarzt einen Termin zu machen. Da die Krankenschwester inzwischen die Anerkennung als Schwerbehinderte hat, soll sie auch bei der Schwerbehindertenvertretung Hilfe suchen.

BEM-Gespräch

Am Gespräch sind der Inklusionsbeauftragte des Arbeitgebers, der Betriebsrat, die Schwerbehindertenvertretung und der Betriebsrat beteiligt.

Gesprächsverlauf:

Die Krankenschwester schildert den bisherigen Verlauf ihrer Erkrankung. Das BEM-Team sieht prinzipiell die Möglichkeit, dass die Krankenschwester, wenn sie sich stabilisiert hat, eine andere Tätigkeit im Krankenhaus übernehmen kann. Die Krankenschwester berichtet vom Beruflichen Trainingszentrum: "Dort ist ein Training für Projektentwicklung oder Qualitätsmanagement möglich. Ein Training dauert 13 Monate." Die Krankenschwester weiß, wenn der Rententräger zustimmt, wird für die berufliche Rehabilitation Übergangsgeld gezahlt.

Wünsche und Vorstellungen

Ein Training für Projektentwicklung oder Qualitätsmanagement, um weiter im Krankenhaus auf einer entsprechenden Stelle arbeiten zu können. Vom Rententräger Übergangsgeld bekommen.

Maßnahme

Eine berufliche Rehabilitation.

Umsetzung der Maßnahme

Die Krankenschwester wird beim Widerspruch an den Rententräger unterstützt. Diese Aufgabe übernimmt die Schwerbehindertenvertretung. Der Betriebsarzt fügt eine Stellungnahme aus arbeitsmedizinscher Sicht bei, da die Krankenschwester auf keinen Fall mehr mit Patienten arbeiten kann.

Abschluss

Zwei Monate nach dem Widerspruch bekommt die Krankenschwester die Bewilligung zur beruflichen Rehabilitation. Sie erhält während der Zeit der Fortbildung Übergangsgeld vom Rententräger.

Fazit

Auch wenn ein BEM im Betrieb gut eingeführt ist, kommt es vor, dass einzelne Betroffene, wie Langzeiterkrankte, herausfallen können. Sucht sich der Betroffene Hilfe, und bekommt er kompetente Unterstützung, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er einen erfolgreichen Weg für sich findet. Erfolgt das BEM-Verfahren erst zu einem späten Zeitpunkt, hat der Betroffene oft schon einen langen Leidensweg mit finanziellen Einbußen hinter sich. Ein BEM-Verfahren zu einem frühen Zeitpunkt kann dem Betroffenen diesen Leidensweg ersparen.

Zusatzinformation

Ziel des beruflichen Trainings in Beruflichen Trainingszentren (BTZ) ist die berufliche Rehabilitation von Menschen, die nach einer psychischen Erkrankung wieder eine Beschäftigung auf dem Allgemeinen Arbeitsmarkt anstreben. Dazu werden spezielle Trainings- und Eingliederungsmaßnahmen in den BTZ angeboten.
Ziel der in den beruflichen Trainingszentren durchgeführten Maßnahmen ist
- die Abklärung realistischer beruflicher Perspektiven,
- die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt oder
- die Stabilisierung im Vorfeld einer Umschulung oder Ausbildung.
Das Leistungsangebot umfasst neben der Beratung, Information und Abklärung im Aufnahmeverfahren diverse berufsfördernde Maßnahmen:
- die berufliche Anpassungsqualifizierung, eine 12- bis 15-monatige Trainingsmaßnahme, in deren Rahmen bereits erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten reaktiviert und der Entwicklung der Anforderungen in der Arbeitswelt angepasst werden;
- Feststellungsmaßnahmen mit maximal dreimonatiger Dauer zur Abklärung einzelner Fragen wie zum Beispiel Belastbarkeit, Lernfähigkeit mit Hospitation und Praktikum bei individuellem Bedarf;
- Maßnahmen zur Berufsvorbereitung und -orientierung von bis zu zwölf Monaten als Bestandteil von Förderlehrgängen mit Hospitation oder Praktikum, und bei einigen Einrichtungen auch
- Maßnahmen zur Berufsfindung und Arbeitserprobung mit externen Praktika mit einer Dauer von sechs Wochen bis zu drei Monaten.
Zu den Aufgaben gehört auch die Begleitung des Rehabilitanden bis zur Integration in eine Arbeitsstelle.
Träger einer Rehabilitationsmaßnahme im Berufstrainingszentrum ist in der Regel die Agentur für Arbeit oder die Rentenversicherung. In jedem Fall muss ein Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben gestellt werden.

Quelle



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  • EFL - Schweregrad der Arbeit (Last/Herzfrequenz) /
  • ERGOS - aktuelle tägliche Dauerleistungsfähigkeit (Last/Herzfrequenz) /
  • IMBA - Arbeitszeit /
  • IMBA - Ausdauer (psychisch) /
  • IMBA - Umstellung /
  • IMBA - Verantwortung /
  • IMBA - physische Ausdauer (Last/Herz-Lungensystem) /
  • MELBA - Ausdauer (psychisch) /
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Referenznummer:

Pb/110893



Informationsstand: 20.11.2014