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Angaben zum Praxisbeispiel

Ausbildung einer psychisch erkrankten Frau zur Güteprüferin

Arbeitgeber:

Das Unternehmen ist eine Gießerei und fertigt als Zulieferer Bauteile für die Automobilindustrie.

Behinderung und Funktionseinschränkung der Frau:

Die junge Frau hat eine psychische Erkrankung und musste sich zur Behandlung in eine psychiatrische Klinik begeben. Sie besitzt eine depressive Persönlichkeitsstruktur mit zwangsneurotischen Akzenten. Dahinter verbirgt sich ein hochsensibles Empfinden, Fühlen und Reagieren. Sie ist z.T. überängstlich, zeigt ein geringes Selbstvertrauen und ist kaum in der Lage mit auftretenden Alltagsproblemen selbständig fertig zu werden. In den Beratungsgesprächen weinte sie häufig und äußerte Zweifel, ob sie den Anforderungen einer Ausbildung gewachsen sei.

Schulausbildung:

Nach der Hauptschule besuchte die Frau eine zweijährige hauswirtschaftlich-sozialpädagogische Berufsfachschule und schloss diese mit der mittleren Reife ab. Weil bei ihr schon immer ein starkes Interesse an technischen Berufen bestand, besuchte sie anschließend ein technisches Gymnasium. Hier traten ihre psychischen Probleme auf und sie musste den Besuch des technischen Gymnasiums abbrechen.

Ausbildung und Beruf:

Die Frau wurde nach ihrer Behandlung in einer psychiatrischen Klinik vom Reha-Team der Arbeitsagentur, aufgrund eines Gutachtens des Psychologischen Dienstes (Berufspsychologischer Service) der Arbeitsagentur mit der Empfehlung für eine Ausbildung in einem technischen Beruf, an ein Berufsförderungswerk (BfW) vermittelt. Zunächst absolvierte sie im BfW eine Berufsfindung. In der Berufsfindung wurden ihre Neigungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten berücksichtigt. Während der Erprobungsphase im Berufsfeld Metall im Rahmen der Berufsfindung konnte die Eignung und Neigung für den Beruf des Güteprüfers (Qualitätsfachfrau) festgestellt werden. Im Anschluss an die Berufsfindung absolvierte die Frau dann eine zweijährige Ausbildung zur Güteprüferin (Qualitätsfachfrau). In der Ausbildung arbeitete sie motiviert mit. Die theoretischen und praktischen Aufgaben führt sie mit überdurchschnittlicher Sorgfalt und Genauigkeit aus. Die zu Beginn eingeschränkte Konzentrations- und Belastungsfähigkeit verbesserte sich kontinuierlich. Die Leistungen waren während der gesamten Ausbildung stabil und lagen zwischen gut und sehr gut. Sie suchte häufiger während der Ausbildung ihren Reha-Berater auf, um mit ihm anstehende Probleme, auch privater Natur, zu diskutieren. Sie bestand schließlich ohne Schwierigkeiten die Facharbeiterprüfung vor der Industrie- und Handelskammer mit der Kenntnisnote gut und der Fertigkeitsnote befriedigend. Wichtige Zusatzqualifizierungen wie den DGQ-Qualitätsprüferschein konnte die Frau ebenfalls während der Ausbildung erwerben. Durch persönliche Gespräche mit dem Reha-Berater und einem abschließenden Bewerbungstraining im BfW wurde sie schließlich auf den Eintritt in das Berufsleben vorbereitet.
In REHADAT finden Sie auch Berufsförderungswerke, die behinderte Menschen ausbilden.

Eigendarstellung der Frau zur beruflichen Integration:

"Es fiel mir am Ende schwer zu gehen. Die Zeit im BfW war sehr schön, obwohl die Ausbildung sehr anstrengend war. Zu Hause musste ich mich erst wieder einleben. Dazu kam sich arbeitslos zu melden sowie Arbeitslosengeld zu beantragen. Dann endlich nach der Bewerbung klappte es in einem Metallgusswerk. Dort fing ich in der Ausgangsprüfung an. Es gefällt mir dort sehr gut. Der Betrieb fertigt viel für die Automobilindustrie - alles Gussteile aus Aluminium, Druckguss und Sandguss. Ich bin für die Stichprobenkontrolle zuständig."

Förderung:

Da sie keinen qualifizierten Berufsabschluss besaß und bis zu ihrer Umschulungsmaßnahme nie versicherungspflichtig beschäftigt war, bestand für sie kein Anspruch auf Übergangsgeld. Dieser Umstand löste bei ihr immer wieder Unsicherheit und Angstzustände aus. Nach längerem Bemühen wurde ihr von der Arbeitsagentur ein Ausbildungsgeld bewilligt. Die Arbeitsagentur förderte außerdem die Ausbildung im BfW.
In REHADAT finden Sie auch die Adressen und Tel.-Nummern der Arbeitsagenturen.



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Referenznummer:

R/PB1751



Informationsstand: 18.09.2012