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Unfallversicherung

Die gesetzliche Unfall­versicherung wird von den gewerblichen und land­wirt­schaftlichen Berufs­genossenschaften sowie von den Unfall­versicherungs­trägern der öffentlichen Hand (Unfallkassen, Landes­unfall­kassen, Gemeinde­unfall­versicherungs­verbände) durchgeführt.

In der gesetzlichen Unfall­versicherung sind Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Auszubildende kraft Gesetzes unabhängig vom jeweiligen Arbeitsentgelt versichert. Unter­nehmerinnen und Unternehmer, Selbstständige sowie Frei­beruflerinnen und Freiberufler können sich und ihre/n mitarbeitenden Ehepartner/in freiwillig versichern, sofern sie nicht schon kraft Gesetzes oder aufgrund von Satzungs­bestimmungen pflicht­versichert sind. Für Beamtinnen und Beamte gelten besondere Vorschriften zur Unfall­fürsorge.

Schutz vor den Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten

Die gesetzliche Unfall­versicherung schützt vor den Folgen von Versicherungs­fällen (Arbeits­unfällen und Berufs­krankheiten), die bei der Verrichtung der beruflichen Tätigkeit eintreten können. Daneben sorgt sie auch für die Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufs­krankheiten und arbeitsbedingten Gesundheits­gefahren.

Nach Eintritt von Arbeitsunfällen oder Berufs­krankheiten erbringt sie

Versicherungs­schutz genießen Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmer grundsätzlich, solange sie die versicherte Tätigkeit ausüben. Dazu gehört auch der Hin- und Rückweg zur und von der Arbeitsstelle. Grund­sätzlich versichert sind zudem Fahr­gemeinschaften auf dem Weg von und zur Arbeit – auch dann, wenn Umwege von und zur Arbeits­stätte notwendig werden.

Die einzelnen Leistungen der Unfallversicherung

  • Heilbehandlung
    Die Unfall­versicherung übernimmt nach einem Versicherungs­fall die Kosten für die ärztliche Behandlung, für die erforderlichen Arznei-, Verband-, Heil- und Hilfsmittel sowie für Aufenthalte im Krankenhaus bzw. in einer Rehabilitations­einrichtung. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange die Leistungen in Anspruch genommen werden müssen. Zuzahlungen zu Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln sowie Praxisgebühr müssen nicht entrichtet werden.
  • Verletzten­geld
    Das Verletzten­geld, das Beschäftigte während der Arbeits­unfähigkeits­zeit erhalten, beträgt 80 Prozent des entgangenen Bruttoentgelts bis maximal zur Höhe des Nettolohns, soweit und solange kein Arbeits­entgelt fortgezahlt wird. Die Leistung­sdauer beträgt höchstens 78 Wochen.
  • Leistungen zur Teilhabe am Arbeits­leben
    Wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach einem Unfall oder wegen einer Berufs­krankheit nicht mehr in ihrem bisherigen Beruf arbeiten können, besteht Anspruch auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeits­leben. Diese umfassen in erster Linie Leistungen zur Erhaltung des alten Arbeits­platzes oder zur Erlangung eines neuen Arbeitsplatzes. Sollten diese Leistungen nicht zum Erfolg führen, können Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmer sich umschulen oder in einem anderen Beruf anlernen lassen. Während dieser Ausbildungs­zeit besteht ein Anspruch auf Übergangsgeld. Sofern gleichzeitig Arbeits­entgelt gezahlt wird, ist dieses anzurechnen.
  • Leistungen zur sozialen Teilhabe und ergänzende Leistungen sind insbesondere Kraftfahrzeug­hilfe und Wohnungshilfe, Haushalts­hilfe, psycho­soziale Betreuung und Rehabilitationssport. Sie werden gleichwertig neben der Heil­behandlung und den Leistungen zur Teilhabe am Arbeits­leben erbracht, soweit Art und Schwere der Verletzungs­folgen dies erforderlich machen.
  • Rente an Versicherte
    Eine Versicherten­rente erhalten Beschäftigte, wenn ihre Erwerbs­fähigkeit durch einen Unfall oder eine Berufs­krankheit um mindestens 20 Prozent über 26 Wochen nach Eintritt des Versicherungs­falls hinaus gemindert wird. Wie hoch die Rente ist, richtet sich danach, wie sehr die Erwerbsfähigkeit gemindert ist und wie viel der Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin in den vollen zwölf Kalendermonaten vor dem Versicherungsfall verdient hat.
  • Pflegegeld
    Sollten Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmer infolge eines Versicherungs­falls pflegebedürftig werden, erhalten sie neben der Unfallrente auch Pflegeleistungen oder ein Pflegegeld, ggf. auch eine Heimpflege.
  • Sterbegeld
    Führt ein Versicherungs­fall zum Tod des Versicherten, erhalten die Hinterbliebenen ein Sterbegeld.
  • Hinterbliebenen­rente
    Sollte ein Ehepartner durch einen Versicherungs­fall sterben, zahlt die Unfall­versicherung dem oder der Versicherten eine Hinterbliebenen­rente bis zu einer evtl. Wiederheirat. Wie hoch diese Rente ist, richtet sich nach dem Alter, der Erwerbs- bzw. Berufsfähigkeit und der Zahl der Kinder.
  • Waisenrente
    Sollte eine Versicherte oder ein Versicherter durch einen Versicherungs­fall sterben und Kinder unter 18 Jahren zurücklassen, so erhalten diese eine Waisenrente.
  • Rentenabfindung
    Sofern nicht zu erwarten ist, dass die Minderung der Erwerbs­fähigkeit (MdE) des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin wesentlich sinkt, kann die Abfindung der Unfallrente beantragt werden. Unterschieden wird zwischen der Abfindung so genannter „kleiner“ Renten mit einer MdE bis zu 40 Prozent und der Abfindung so genannter „großer“ Renten ab einer MdE von 40 Prozent.

Finanzierung der gesetzlichen Unfallversicherung

Die Berufs­genossen­schaften als Träger der gesetzlichen Unfall­versicherung im gewerblichen und landwirtschaftlichen Bereich finanzieren sich aus den Beiträgen der Unternehmen; die land­wirt­schaftlichen Berufs­genossen­schaften erhalten einen Bundes­zuschuss. Wie hoch diese Beiträge sind, richtet sich nach der Höhe der jährlichen Arbeits­entgelt­zahlungen und nach dem Grad der Unfallgefahr. Die Beschäftigten selbst zahlen keine Beiträge.

Rechtsgrundlagen

Grundlagen zur gesetzlichen Unfall­versicherung finden sich in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen, beispielsweise

Weitere Informationen gibt es bei den Berufs­genossenschaften und den Unfall­versicherungs­trägern der öffentlichen Hand (Unfallkassen).

Rechtsgrundlagen

(ml) 2017